Post-wunderbare Stressstörung

Post-incredible

Meine Großeltern waren Missionare. Sie waren ganz konkret für Gott unterwegs, in Portugal, in Afrika, und es ist unglaublich, was für Geschichten sie zu erzählen haben. Dagegen kommt mir mein eigenes Christsein manchmal ziemlich unspektakulär vor. Aber muss ich ins Ausland gehen, um Gott so nah zu erleben? Nicole Straussman war selbst auf Missionseinsätzen und erzählt, wie sie es erlebt hat, ihre Heimat zu ihrem Missionsfeld zu machen.

Die Berliner Luft war viel zu kalt für mein warmes Florida-Blut und ich bedeckte meine Nase mit meiner Jacke, um den Gestank der Straße zu überdecken.

Frauen säumten die dunkle Straße, tappten in kleinen Kreisen, mit immer ein paar Parkplätzen zwischen ihnen. Sie trugen kniehohe Stiefel und Pelze mit großen Fellkragen um der Kälte zu entgehen.

Ich lief betend hinter einem Team von Freiwilligen, die sich der Prostituierten auf den Berliner Straßen annehmen. Bekannt als „Engel mit Körben“ bringen die Freiwilligen den Frauen auf der Straße Kaffee, Tee und evangelistische Traktate in verschiedenen Sprachen. Viele von ihnen sind Opfer von Menschenhandel, illegal von anderen Ländern nach Deutschland gebracht, aber in der Realität sind sie alle Opfer: hoffnungslos, verloren, verängstigt, verletzt und zerbrochen.

In meinem ganzen Leben, habe ich Zerbrochenheit nie so deutlich gesehen. Ich hab Schmerz noch nie so offensichtlich und so tief gesehen, wie als ich diese Frauen ansah. Es zeigte sich auf ihren Gesichtern; eines ein Spiegel des nächsten, als wir die Straße entlangliefen. Hoffnungslosigkeit machte ihre Augen so glanzlos wie der graue Zement auf dem Bürgersteig. Sie schienen kaum lebendig zu sein.

Das Missionswerk hat ein Café mitten auf einem Straßenstrich in Berlin, wo sie den Frauen Essen, Wärme, ein heißes Getränk und vor allem die Liebe Christi und das Evangelium anbieten. Sie öffnen nicht nur die Türen, um diese Frauen einzulassen, sondern viele Freiwillige laufen auch durch die Straßen, um die Frauen genau dort zu treffen, wo sie sind.

Was für ein schönes Bild von Jesu Herz, das seine Kinder mitten in ihrem Durcheinander sucht, um sie zu retten und wiederherzustellen.

Mit dem bisschen Deutsch, das ich kann, begann ich mit den Frauen in dem Café zu sprechen. Ich war erstaunt darüber, wie sie lächeln und lachen konnten und in der warmen, liebenden Oase des Cafés lebendig wurden. Ich sah die Veränderung in ihren Augen – sie waren nicht länger die zerbrochenen Frauen, die ich auf der Straße gesehen habe. Sie waren wunderschöne Geschöpfe Gottes, geprägt mit seinem Siegel und dazu bestimmt durch seine Liebe heil gemacht zu werden.

Eine Frau bestand darauf viele Fotos gemeinsam zu machen, um diese warmen Momente einzufangen. Auch ich bemühte mich in meinem geistigen Auge diese Momente festzuhalten und mein Herz nie diese verletzten Frauen oder die Freude und Hoffnung, die der Herr sogar an den schlimmsten Orten und Umständen schenkt, vergessen zu lassen.

Das war nur eine der vielen wunderbaren Erfahrungen, die mich unter Druck setzt, seit ich letzten Mai wieder in die Staaten zurückkehrte.

Letzten Frühling studierte ich ein Semester im Ausland, im kalten, trostlosen, wunderbaren, seltsamen Land um London, England. Das wurde ein Sprungbrett für meine Reisen durch ganz Europa. Ich habe das Abenteuer des Unbekannten geliebt, den Kitzel neue Menschen zu treffen und neue Wege Dinge zu tun zu lernen.

Durch jede Stadt, jede Erfahrung, schien mein Herz in eine neue Richtung zu schwingen und mich dazu zu bringen der Freude am Herrn und der Zufriedenheit in seiner Gegenwart nachzujagen. Ich war mehr auf ihn angewiesen, als jemals zuvor, weil ich aus meinem alten stützenden System, das zu Hause so lange meine Krücke auf meiner geistlichen Reise gewesen war, herausgenommen worden war.

Das erste Mal überhaupt hatte ich das Gefühl auf meinen eigenen Beinen zu rennen, anstatt Golgatha hinauf zu humpeln. Ich trug mein eigenes Kreuz. Und das war es, wo ich Schwierigkeiten bekam.

London wurde für mich zu einem Symbol für alles, was ich erreichen konnte, wenn es nur ich und Gott war – ganz ohne „Ablenkungen“.

Als ich nach Hause zurückkehrte, wurde ich bombardiert und gehemmt durch Menschen, Fragen und bekannte Gesichter. Der Stress des Post-Wunderbaren begann in meinen Magen zu kriechen. Wird mein Leben je wieder so aussehen, wie die Zeugnisse, die ich erzähle? War das schon das Highlight meiner Zeit auf der Erde? Geht es von jetzt an nur noch bergab?

Dieses Stressgefühl begann mich durch den Sommer zu verfolgen bis in das nächste Semester, als ich wieder anfing zu studieren. Ich habe nicht länger mit Fremden über meinen Glauben gesprochen oder gute Gespräche mit Freunden über Tee oder Kaffee gehabt. Ich habe meinen Sommer genossen und liebte meine Uni, aber jeden einzelnen Tag wurde das Loch in meinem Herzen größer, als ich nach dem Hoch suchte, das mal meins gewesen war.

Die „Ablenkungen“ waren wieder da: meine Familie, Freunde, Uni, Arbeit und das gesamte alltägliche Leben stürzte auf mich ein. Gott schien weiter und weiter weg, je länger meine Zeit im Ausland zurücklag. Alles was ich wollte war meine Rückkehr zu planen, damit ich wieder das Leben leben konnte, wozu ich bestimmt war.

Mit der Zeit begann Gott mir zu offenbaren, dass die Dinge, die ich als „Ablenkungen“ abgetan hatte, eigentlich unerbittliche und essentielle Puzzleteile von Gottes Plan für mein Leben waren.

Ich begann mich in die Leben um mich herum hineinzuinvestieren, wie ich es zuvor mit den Leben im Ausland getan hatte. Ich lernte die Zerbrochenheit, die ich in den Gesichtern der Prostituierten auf den Straßen Berlins gesehen hatte, zu erkennen, wie sie auch unter den Fassaden meiner Freunde lauerte. Gottes Liebe ist der einzige Weg diese Zerbrochenheit zu heilen, also war es das, was ich ihnen anbot – nicht aus meiner Pflicht zu evangelisieren, sondern aus meiner eigenen Zerbrochenheit über ihre Not und meine Hoffnung auf einen Gott, der wiederherstellt.

Gott hat mich sehr überzeugend dazu berufen hier in Florida zu bleiben und in einer wunderbaren Kirche zu dienen. Er nimmt mir den Stress ständig spirituellen und emotionalen Höhen nachzujagen und ersetzt ihn mit einer beständigen Leidenschaft ihm zu folgen, wo auch immer er mich einsetzt.

Der Herr hat mir gezeigt, dass ich nicht in einem anderen Land sein muss, um Menschen zu treffen und in ihre Leben zu reichen, um ihnen Jesu wiederherstellende Kraft zu zeigen. Er hat mir auch gezeigt, dass Zerbrochenheit und Ungerechtigkeit überall existieren (Ich wurde direkt hier vor meiner Tür mit Menschhandel konfrontiert). Seine Arbeit und Seine Gegenwart sind ebenfalls überall.

Er findet uns dort, wo wir sind, und wenn wir willens sind, benutzt er uns, um sein Königreich auszubreiten, welches in jedem Stamm, in jeder Stadt und in jeder Nation zu finden ist.

Wo ist dein Missionsfeld gerade?

 

{Foto}{Original Artikel}

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s