Eine Lebenslektion von Jesaja

von Jesaja lernen

Jesaja. Wer ab und zu mal in seiner Bibel blättert, wird wohl schon mal über diesen Namen gestolpert sein. Ein alttestamentlicher Prophet, nach dem ein relativ dickes Buch der Bibel benannt ist. Trotzdem glaube ich, dass die meisten von uns recht wenig über diesen Mann wissen. Er ist kein Paulus, von dem man zu seinen Lehren auch noch einen Großteil seiner Lebensgeschichte kennt. Er ist kein David, von dessen Siegen und Niederlagen wir schon im Kindergottesdienst gehört haben. Er ist… Jesaja. Er hat im Namen Gottes viele Prophezeiungen ausgesprochen und wenn ich ehrlich bin kann ich mit mindestens der Hälfte davon wenig anfangen. Trotzdem wünsche ich uns, wir wären mehr wie Jesaja.

Ich war letztens eine Freundin in Heidelberg besuchen. Als wir abends an der Bushaltestelle standen, um nach Hause zu fahren, machte sie mich auf einen Mann aufmerksam. Ein Obdachloser lag in der Kälte und bot einen mitleiderregenden Anblick. Wir sprachen noch darüber, dass dieser Mann wahrscheinlich unglaublich frieren müsse, als ich plötzlich einen Gedanken hatte: Gib ihm deinen Schal. Ich war ein bisschen irritiert, weil der Gedanke so unvermittelt kam – und weil ich den Schal selbst erst seit zwei Tagen besaß.

Ich wünschte, ich könnte schreiben, dass ich trotzdem zu dem Mann hinging und ihm meinen warmen, neuen, echt schönen Schal gab. Leider war das nicht der Fall. Während ich noch mit mir haderte, kam unser Bus und ich stieg ein und fuhr fort. Weg von dem frierenden Mann. Weg von einer Gelegenheit Gottes Licht in der dunklen Welt zu sein. Weg von einer Möglichkeit die unglaubliche Freude zu spüren, die es ist, Gottes Willen zu tun.

Und warum? Weil wir in einer gefallenen Welt leben. In einer Welt, in der ich mir selbst wichtiger bin, als andere. Ich bin vielleicht Student, aber es wäre durchaus im Budget, mir nochmal einen neuen Schal zu kaufen. Ich müsste mir nicht einmal einen kaufen, weil ich zu Hause mindestens 10 habe.
Aber anstatt Gottes Rufen nachzugehen, habe ich mich in den Mittelpunkt gestellt. Nicht „Sein Wille Geschehe“ sondern „Mein Wille“.

Schritte lenken

Zu jener Zeit hatte der Herr durch Jesaja, den Sohn des Amoz, so gesprochen: „Geh, lege das Sacktuch ab von deinen Hüften und zieh die Sandalen aus von deinen Füßen!“ Und er machte es so, ging entblößt und barfuß. Da sprach der Herr: „Gleichwie mein Knecht Jesaja drei Jahre lang entblößt und barfuß einhergegangen ist, als Zeichen und Warnung für Ägypten und Kusch, so wird der König von Assyrien die gefangenen Ägypter und die zur Verbannung bestimmten Kuschiter, Knaben und Greise, entblößt und barfuß und mit entblößtem Gesäß wegführen, zur Schande Ägyptens.“ ~Jesaja 20,2-4

Egal wie oft ich diese Passage lese, ich denke jedes Mal nur „What?!“ Ich bin mir nicht ganz sicher, wie das „nackt“ an dieser Stelle zu verstehen ist. Es gibt Übersetzungen, die vom Obergewand reden, was uns vielleicht weniger schlimm erscheint, aber egal was Jesaja im Auftrag Gottes an Kleidung ablegen sollte, es war wohl keine Lappalie. Jesaja war entblößt. Es war mit Sicherheit beschämend für ihn, so herumzulaufen. Und dann auch noch drei Jahre lang?

Ich kann mir nicht mal wirklich vorstellen, wie dieses Gespräch abgelaufen sein muss.

Gott: Jesaja, lege dein Obergewand und deine Schuhe ab.
Jesaja: Wie bitte?
Gott: Du sollst ein Zeichen setzen. Lege dein Obergewand und deine Schuhe ab. Für die nächsten drei Jahre.
Jesaja: Herr, das kann nicht dein Ernst sein.
Gott: Doch, das ist mein Ernst. Es geht um ein Zeichen für Ägypten und Kusch.
Jesaja: Und dafür soll ich drei Jahre nackt rumlaufen? Weißt du, was das mit meinem Ruf macht?
[zu sich selbst] Ich glaube ich werde verrückt. Ich bilde mir in, dass Gott von mir erwartet, drei Jahre lang nackt rumzulaufen. Vielleicht sollte ich die Priester aufsuchen…

Wir wissen nicht, wie dieses Gespräch verlief. Wir wissen nicht, ob Jesaja diskutierte oder mit welchen Argumenten Gott ihn schließlich dazu überredete.

Aber wir wissen, dass Jesaja gehorsam war – und wie ich finde auf sehr beeindruckende Weise.

Im Gegensatz zu Petrus hat Jesaja nicht nur große Töne gespuckt. Als Jesaja sagte: „Herr, hier bin ich, sende mich!“, meinte er das vollkommen Ernst. So Ernst, dass er, als er wirklich gesandt wird – entblößt und barfüßig – geht.

Was ist mit dir? Willst du, dass Gott deine Schritte lenkt? Willst du, dass er dir sagt, wo es hingehen soll? und bist du bereit zu gehen?

Wo hast du deine Füße nicht bewegt? Wo hast du sie bewegt?
Erzähle uns davon in den Kommentaren.

{Fotos}

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s