Wie erwachsen bist du?

Frage nach dem Wort des HerrnIch habe vor kurzem eine Predigt von Mark Tubbs gehört. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr, worum es ging, aber einer seiner Nebensätze ist bei mir hängen geblieben. Er erzählte davon, dass er in Afrika in einer Gemeinde war und es dort plötzlich einen Stromausfall gab. Gott hat durch Tubbs schon einige Wunder getan, sodass es für ihn nichts vollkommen Neues gewesen wäre, dem Strom einfach zu befehlen, wieder anzugehen. Aber hier kommt der Satz, der mich so beeindruckt hat: „Das Licht ging aus – und ich fragte Gott: Willst du, dass ich dem Strom befehle wieder zu funktionieren? Ich war so überrascht, diesen Satz zu hören. Meine Gedanken wären gewesen: Gut, wir brauchen Licht. Sicher will Gott das auch so. Ich befehle…

Gibt es eigentlich etwas, das noch arroganter wäre, als zu behaupten, man wisse, was Gott gerade denkt und in einer Situation möchte?
Natürlich hat Gott uns seinen Willen offenbart, aber aus welchem Tagebuch kann man schon zu 100% Rückschlüsse auf jegliche Wünsche des Autors schließen?

Ich glaube, gerade wenn wir im Glauben wachsen, dürfen wir Gott nicht vergessen. Wir reden davon, dass Menschen, die neu zum Glauben kommen noch „Babys im Glauben“ sind, die zu „Jugendlichen bzw. Erwachsenen“ heranreifen. Das ist vielleicht ein ganz nettes Bild, aber wie jedes Bild hat es seine Lücken. Wenn wir erwachsen werden, werden wir (hoffentlich) immer selbstständiger. Wir lösen uns von unseren Eltern, ziehen aus und werden irgendwann auf eigenen Beinen stehen.

Wenn wir aber von Gott als unserem Vater sprechen und wir „im Glauben reifen und erwachsen werden“, würde das genauso heißen, dass wir irgendwann genug von unserem Vater gelernt haben, um jetzt alleine unser christliches Leben führen können – und das ist schlichtweg falsch.

Gerade wenn wir im Glauben heranreifen und wachsen und mehr Verantwortung in seinem Reich übernehmen, sollten wir mehr danach fragen, was er will, uns mehr an seiner Führung orientieren und mehr denn je auf seinen Rat hören.

In einer Zeit, in der Unabhängigkeit und Selbstständigkeit so groß geschrieben werden wie heutzutage, sind wir von Gott aufgefordert, uns in volle Abhängigkeit von ihm zu begeben.

Wir neigen dazu, zu denken, wir wüssten wie der Hase läuft. Selbst Mose ist über diesen Stein gestolpert:

In Kadesch gab es kein Trinkwasser, deshalb versammelten sich die Israeliten aufgebracht bei Mose und Aaron und machten Mose Vorwürfe […]. Mose und Aaron gingen […] zum Eingang des Zeltes Gottes und warfen sich dort zu Boden. Da erschien ihnen die Herrlichkeit des Herrn und der Herr sprach zu Mose: »Nimm den Stab und ruf gemeinsam mit deinem Bruder Aaron die ganze Gemeinschaft zusammen. Redet dann vor den Augen der Israeliten mit dem Felsen dort, dann wird Wasser aus ihm fließen. […] Da holte Mose den Stab aus dem Heiligtum, wie der Herr ihm aufgetragen hatte. Anschließend ließen er und Aaron das Volk vor dem Felsen zusammenkommen. »Hört zu, ihr eigensinnigen Menschen!«, rief Mose. »Was meint ihr? Werden wir euch Wasser aus diesem Felsen quellen lassen?« Und Mose holte aus und schlug zweimal mit dem Stab auf den Felsen. Da strömte Wasser heraus, sodass alle Israeliten und ihr Vieh genug zu trinken hatten. Der Herr aber sagte zu Mose und Aaron: »Weil ihr mir nicht vertraut und den Israeliten nicht meine Heiligkeit deutlich gemacht habt, sollt ihr mein Volk nicht in das Land führen, das ich ihnen geben werde.« ~4.Mose 20,2-12

Wieso hat Mose hier mit seinem Stock auf den Stein geschlagen? Gott hat ihm doch klar gesagt, er soll mit dem Felsen sprechen, einfach befehlen Wasser zu geben. Ganz einfach: Das letzte Mal, das Gott durch Mose Wasser aus dem Felsen hervorbrachte, funktionierte es durch das Schlagen mit dem Stock.

Selbe Situation. Israel jammert, weil es Durst hat. Mose geht zu Gott und fragt, wie es weitergehen soll.

Der Herr entgegnete Mose: »Geh mit einigen führenden Männern der Israeliten vor dem Volk her. Nimm deinen Stab, mit dem du auf den Nil geschlagen hast, mit. Ich werde auf einem Felsen am Horeb vor dich treten. Schlag auf den Felsen. Dann wird Wasser herausströmen und das Volk wird trinken können.« ~2.Mose 17,5-6

Mose wusste, wie das mit dem Wasser und dem Felsen funktionierte. Er hatte das schon einmal gemacht. Also machte er es so, wie beim letzten Mal auch – aber nicht er gab Israel das Wasser, sondern Gott. Wenn wir im Glauben wachsen neigen wir dazu „zu wissen, wie es funktioniert“. Herausforderungen, die uns das letzte Mal vor Gott getrieben haben, weil wir nicht wussten, wie wir sie irgendwie überwinden könnten sind jetzt eine Lappalie. Und wo wir uns das letzte Mal sehr bewusst waren, dass Gott der Handelnde war, denken wir inzwischen, dass wir es selbst können.

Mose hat es, trotz allem, was er für Gott und sein Volk getan hat, seine Einreise ins gelobte Land gekostet. Dank Jesus ist das nicht der Preis, den wir zahlen müssen. Aber wenn wir im Glauben weiter wachsen wollen, wenn wir Verantwortung in Gottes Reich übernehmen wollen, dann müssen wir fragen, was Gott will. In jeder Situation. Denn wir können es nicht alleine.

Wer in kleinen Dingen treu ist, wird auch in großen treu sein. ~Luk 16,10

Wann hast du das letzte Mal Gott gefragt, wie du dich verhalten sollst? Was du tun sollst? Was als nächstes dran ist? Kommst du immer noch zu ihm, oder hast du den Bogen raus und kannst alles alleine?

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5 Kommentare zu „Wie erwachsen bist du?

  1. Dieser Kommentar hat wenig mit dem Artikel zu tun, nur mit einer kleinen Aussage am Anfang, wo du eine Analogie zwischen Bibel und Gottes Tagebuch schreibst. Ich hoffe du hast es so gemeint, wenn nicht ist es auch egal, denn ich finde die Analogie schlichweg GENIAL.Gottes Wort als Gottes Tagebuch geschrieben von wahren Gottesnachfolgern 🙂

    1. Doch es ist tatsächlich so gemeint. Ein Tagebuch ist ein Buch, in das jemand seine Gedanken schreibt, in dem berichtet wird, was den Autor bewegt. Ich glaube, dass man auch einen Autor von 1000 Büchern am besten durch das Lesen seines Tagebuchs kennenlernen würde, nicht durch seine Romane/Ratgeber/Fachartikel… In der Bibel können wir lesen, was Gott bewegt und was seine Gedanken sind 🙂
      Danke für deinen Kommentar 😉

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