Die Identität eines Seiltänzers

SeiltanzDie wenigsten von uns werden schon einmal auf einem Seil gestanden haben. Schon gar nicht in schwindelerregender Höhe. Ich bin als Kind auf allen möglichen Dingen balanciert. Es hat einen gewissen Reiz, die Balance halten zu müssen, vielleicht ins Wackeln zu kommen, aber die Schwerkraft noch einmal zu besiegen, indem man sein Gleichgewicht rechtzeitig wiederfindet. Heute stehe ich alle Jubeljahre mal auf einer Slackline – allerdings nie besonders lange. Meistens falle ich nach den ersten paar Schritten wieder runter und nach ein paar Versuchen bin ich so frustriert, dass wieder Wochen vergehen, bis ich mich wieder einmal auf den Gurt wage.
Leider gibt es in unserem Leben Balanceakte, denen wir nicht so leicht aus dem Weg gehen können. Vor allem in unserem Glaubensleben müssen wir immer wieder Gegensätze miteinander übereinbringen. Wir müssen die Spannung zwischen der himmlischen Verheißung und der harten Realität aushalten. Ein Bereich, indem wir tagtäglich auf dem Seil stehen, ist unsere Identität. Welcher Mensch hat heutzutage noch ein vollkommen gesundes Selbstbild?
Ich glaube, als Christen denken wir manchmal, dass wir mehr wissen, als die Menschen um uns herum. Wir wissen von unserer Sündhaftigkeit, aber auch von der Liebe und Gnade Gottes, die jede Sünde wieder zudeckt. Theoretisch weiß ich das. Aber wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, wackele ich auf diesem Seil ziemlich hin und her. Wenn man balanciert und dabei ist, zu einer Seite herunterzufallen, wirft man sich auf die andere Seite, um das Gleichgewicht wiederzufinden. Häufig schießt man dabei über das Ziel hinaus und fällt zur anderen Seite herunter. Egal von welcher Seite wir fallen, am Ende sind wir immer eins: unten. Und wenn wir erstmal unten sind, gibt es nur noch eins, was wichtig ist: wieder rauf!

Ich weiß nicht, wie du dich selbst siehst. Vielleicht kämpfst du gerade mit deiner eigenen Sündhaftigkeit. Du stolperst immer wieder über den gleichen Stein und fragst dich, wie Gott dich noch lieben kann? Wieso er dich noch nicht verstoßen hat? Du machst dich fertig dafür, dass du ihn immer wieder enttäuschst, Jesus nochmal und nochmal ins Gesicht spuckst. Aber das ist nicht das Dasein, das dein himmlischer, dich liebender Vater sich für sich für dich wünscht.

Wenn euch nun der Sohn frei machen wird, so seid ihr wirklich frei. ~Johannes 8,36

Dir ist vergeben. In Jesus bist du frei von deiner Schuld. Nichts davon wird dir noch vorgeworfen.

So fern der Osten vom Westen ist, hat er unsere Verfehlungen von uns entfernt. ~Psalm 103,12

Vielleicht ist dein Kampf aber auch ein ganz anderer. Vielleicht bist du dir deiner königlichen Identität sehr bewusst. Du weißt, dass du von Gott begabt und berufen bist und fällst einer ganz anderen Sünde zum Opfer: Stolz. Du bist gut, und du willst, dass die Leute um dich herum das auch sehen. Gott hat dich begabt und du willst gerne groß mit ihm rauskommen. Du durch ihn, nicht er durch dich. Ich glaube, dass das Kippen zu dieser Seite viel subtiler ist. Weniger offensichtlich. Vielleicht sogar so versteckt, dass wir es selbst erst gar nicht bemerken bei den ganzen Versuchen durch unsere Heiligkeit Aufmerksamkeit zu erlangen. Ohne es zu realisieren entfernen wir uns innerlich von Gott, können alles allein, machen alles allein. Aber wenn wir am Boden aufkommen, merken wir, dass wir gefallen sind.

Egal wo du stehst, ob du gerade nach links oder rechts kippst, um Gleichgewicht kämpfst oder mal wieder heruntergefallen bist, steig wieder auf. Versuch es nochmal. Und wenn du wackelst, dann fass nach der Hand, die dir wieder Sicherheit geben kann. Wir müssen diesen Balanceakt nicht alleine meistern. Mit Jesus dürfen wir schummeln.

Wir dürfen an seiner Hand bleiben – müssen an seiner Hand bleiben, um nicht zu fallen. Er ist derjenige, der uns wieder aufrichtet, wenn wir uns selbst unten halten, und er ist derjenige, der uns erdet, wenn wir abheben.
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