Was hält dich, wenn alle Stricke reißen?

Götzendienst

Ich weiß nicht, wie es dir geht, wenn du das Alte Testament liest. Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich schon mehr als einmal gefragt habe, warum Gott diesen Haufen störrischer Esel (aka das Volk Israel) nicht schon längst in die Wüste geschickt hat (also für mehr als nur 40 Jahre…). Warum gibt er sich mit ihnen ab? Mit denen, die ihn bei jeder Gelegenheit verwerfen, die sich in der Umgebung ständig neue Götter abschauen und zu ihren eigenen machen, mit Menschen, die es einfach nicht einsehen, Gottes Gebote zu halten. Warum hat er sie nicht schon längst aufgegeben?

Im Buch Hosea wird das Volk Israel mit einer Prostituierten verglichen. Eine Prostituierte. Kein besonders schmeichelhafter Vergleich. Selbst heute, in einer Welt, in der Sexualität kaum mehr heilig zu sein scheint, gilt „Hure“ als ein Schimpfwort. Wie viel krasser muss das damals gewesen sein?
Immer wieder wird deutlich, wie sehr Gott der wiederholte Betrug von seinem Volk schmerzt: wie einen Ehemann der Betrug seiner Frau. Gott hatte damals schon einen Bund mit Israel gemacht. Trotzdem hat Israel ihn wieder und wieder gebrochen, ist wieder und wieder irgendwelchen Götzen hinterher gelaufen.

Israel ist ein rankender Weinstock, der für sich selbst Frucht bringt. Je mehr Früchte er brachte, desto mehr Altäre bauten sie; je besser ihr Land war, desto schönere Götzenbilder machten sie. ~Hosea 10,1

Gott liebt sein Volk. Er streckt die Hände nach ihm aus, und wirbt um es (Hos 2,16). Doch alle Frucht, die Israel bringt, alles Gute, das die Menschen haben, behalten sie für sich selbst.
Mir ist aufgefallen, dass das in meinem Leben oft ähnlich ist. Geld und materielle Dinge nehmen bei mir schnell den Platz Gottes ein. Sobald Gott mich finanziell segnet, stehe ich in der Gefahr verschwenderisch damit umzugehen – für mich alleine. Nicht, um Menschen damit zu unterstützen, nicht, um ins Reich Gottes zu investieren, sondern um mir schönere Götzenbilder zu machen: um mir tolle Dinge zu kaufen, Statussymbole, auf deren Besitz ich mir so viel einbilde.

Oft belächeln wir den Götzendienst Israels, halten sie für dumm oder naiv. Zumindest solange, bis wir zulassen, dass Gott uns unsere Götzen zeigt. Unsere Götzen sind vielleicht keine Statuen, aber sie dienen genau demselben Zweck. Israel wird sich gedacht haben ‚Wir bitten lieber einen Gott mehr um seinen Segen, als einen zu wenig. Man kann nicht zu viele Götter haben, die einem gnädig gesinnt sind.‘ Unsere Gedanken sind ähnlich: ‚Ich habe lieber einen Euro zu viel auf dem Konto, als einen zu wenig. Wenn Gott mich nicht versorgt, kann ich mich wenigstens selbst versorgen.‘ ‚Es ist schon besser, wenn die Menschen gut von mir denken. Wenn ich Schwierigkeiten habe, brauche ich vielleicht mal viele, einflussreiche Bekannte.

Wir wollen uns zusätzlich absichern. In einer Gesellschaft, in der man alles Mögliche versichert, man immer eine Option braucht, falls mal alle Stricke reißen, wagen wir es nicht, Gott allein unsere Versicherung sein zu lassen.

Dabei sehen wir nicht, dass das alles ist, was er will: unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, dass wir uns vollkommen auf ihn verlassen – zu unserem eigenen besten.

Und ich war es doch, der Ephraim gehen lehrte, der sie auf seine Arme nahm. Aber sie haben nicht erkannt, dass ich sie heilte.
So kehre nun um zu deinem Gott, halte fest an Liebe und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!
~Hosea 11,3.12,7

Hoffe stets auf deinen Gott. Worauf hoffen wir? Worauf setzen wir unser Vertrauen? Unser Geld? Unsere Freunde? Unsere Fähigkeiten? So schmerzhaft es sein mag, sich das einzugestehen, aber alle diese Dinge sind vergänglich. All das kann uns nicht retten. Geld kann die Wunden unserer Seele nicht heilen. Unsere Fähigkeiten können uns oder unsere Lieben nicht vor dem Tod bewahren.

Gott hat das Volk Israel nie aufgegeben. Aus Liebe. Und er wird auch uns nie aufgeben. Aus Liebe. Aber auf Götzendienst steht eine Strafe, ein hoher Preis, der bezahlt werden muss. Der Tod. Aber schon zu Hoseas Zeiten hatte Gott einen Plan:

Ich will sie erlösen aus der Gewalt des Totenreichs, vom Tod will ich sie loskaufen. Tod, wo ist dein Verderben? Totenreich, wo ist dein Sieg?
Ich will ihre Abtrünnigkeit heilen, gerne will ich sie lieben; denn mein Zorn hat sich für immer von ihnen abgewandt. ~Hosea 13,14.14,5

In Jesus liegt Gottes Zorn nicht mehr auf uns, obwohl wir ihn verdient hätten. In Jesus ist die Strafe, die uns gegolten hätte, bezahlt. Ich weiß nur, wie oft ich Gott untreu war. Wie oft ich Gottes Segen genutzt habe, um meinen Götzen zu frönen. Wie können wir angesichts dieser unglaublichen Liebe immer noch daran zweifeln, dass Gott es gut mit uns meint? Wie können wir daran zweifeln, dass der, der Jesus von den Toten wieder auferweckt hat, auch uns absichern kann?

Worauf setzt du dein Vertrauen? Was (oder vielmehr wer) hält dich, wenn alle Stricke reißen?

Lasst uns leben, für den Fels, auf dem wir stehen, für den, der konstant ist, sich nie verändert und auf den immer Verlass ist: Jesus.
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