Keine Zeit um Gott zu dienen?

Wie sieht ein Leben für Gott aus? Das ist eine Frage, die mich in letzter Zeit beschäftigt. Ich bin inzwischen schon ein paar Jahre Christ. Ziemlich von Anfang an habe ich in meiner Gemeinde mitgearbeitet. Mein Freitagnachmittag bis Abend war immer für die Gemeinde geblockt. Unter der Woche habe ich Sachen für Freitag vorbereitet. Ich war immer irgendwie „im Dienst“. Anfang dieses Jahres bin ich aus der Teenyarbeit ausgestiegen. Im Moment ist mein Leben ziemlich von Uni und Arbeit beherrscht, sodass ich kaum Kapazitäten habe, mich in der Gemeinde einzubringen. Am Anfang war das okay. Ich habe es genossen freitagabends Zeit für mich oder Freunde zu haben. Ich kann meine Familie öfter sehen, da ich schon freitags zu ihnen fahren kann und nicht erst Samstagmorgen. Aber mit einem Leben, wo Uni und Arbeit den Großteil meiner Zeit beanspruchen, wo es nicht mehr normal ist, unter der Woche immer ein bisschen was für das Reich Gottes zu machen, wie kann mein Leben da noch für Gott von Nutzen sein? Was, wenn unsere aktuelle Lebensphase uns keinen großen Raum lässt, uns für Gott einzusetzen?

Als ich über diese Frage nachdachte, kam mir Josef in den Sinn (wer die ganze Geschichte lesen will, sie steht in 1.Mose 39-40). Josef arbeitete für Potiphar, er hatte Verantwortung und Einfluss. Doch dann, von einem Tag auf den anderen, saß er unschuldig im Gefängnis. Plötzlich hatte er keinen Einfluss mehr, keine Verantwortung und keinerlei Freiraum. Er hatte keine großen Möglichkeiten, seinem Gott oder seinem Volk zu dienen. Alles, womit er sich beschäftigen konnte, war sich selbst und sein direktes Umfeld. Ich finde es interessant, wie Josef mit dieser Situation umgegangen ist. Als erstes hätte ich wahrscheinlich geschmollt, so ausgeknockt worden zu sein. Ich wäre sauer, frustriert, zickig, alles Mögliche, jedenfalls nicht hilfreich für irgendjemanden. Aber Josef war anders. Statt zu bocken, machte er das Beste aus der Situation. Er erwies sich als vertrauenswürdig und treu, sodass er, ein Gefangener, bald selbst zum Aufseher über seine Mitgefangenen wurde (ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob das damals eine üblichere Praxis war, als heute, aber ich wage es zu bezweifeln…).

Ich glaube, dass ist eine Sache, die wir uns bei Josef abschauen können. Egal wie dein „Gefängnis“ gerade aussieht. Ob es Uni ist, die Arbeit, deine Ausbildung, die Situation in deiner Familie, was auch immer dir die Kapazitäten nimmt, dich direkt für Gott einzusetzen oder Stunden in einen Dienst zu investieren, ich glaube, wir sind dazu aufgerufen, diesen Aufgaben treu und zuverlässig nachzukommen.

Alles, was ihr sagt, und alles, was ihr tut, soll im Namen von Jesus, dem Herrn, geschehen, und dankt dabei Gott, dem Vater, durch ihn. ~Kolosser 3,17

Eines Tages sehen zwei der Gefangenen, die unter Josefs Aufsicht stehen, sehr bedrückt aus. Als Josef sie darauf anspricht, stellt sich heraus, dass sie beide Träume hatten, die sie nicht verstanden. Joseph lässt sich die Träume erzählen und legt sie mit Gottes Hilfe aus.

Egal wie sehr wir in Beschlag genommen sind, von Dingen, die tatsächlich notwendig sind, ich glaube, wir sind dazu aufgefordert, die Augen offen zu halten, ob nicht auch in diesen Situationen Möglichkeiten stecken, anderen nur einen kleinen Einblick in Gottes Gedanken zu geben.

Und seid jederzeit bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der euch auffordert, Auskunft über die Hoffnung zu geben, die euch erfüllt. ~1.Petrus 3,15

Am Ende der Geschichte ist ersichtlich, dass die ganze Zeit im Gefängnis dem diente, Josef vom Hause Potiphars in eine noch höhere Position zu bringen – als mächtigster Mann in Ägypten nach dem Pharao. Auch wenn Josef in dieser Gefängniszeit in gewisser Weise „lahmgelegt“ war, so war es doch nicht sinnlos, diese Zeit zu durchlaufen.

Ich glaube, manchmal müssen wir darauf vertrauen, dass Gott das größere Bild im Blick hat. Wir fühlen uns vielleicht nutzlos und unbrauchbar, wo wir gerade sind, aber eigentlich ist Gott gerade dabei uns auf den Weg zu bringen, eine andere Position einzunehmen. Meine Masterarbeit nimmt mich in Beschlag. Ich sitze stundenlang am Schreibtisch, vor dem PC oder über Bücher gebeugt. Da bin ich für niemanden eine große Hilfe. Aber die Masterarbeit ist eine notwendige Station auf dem Weg, mein Studium abzuschließen und schließlich in meinem Beruf wieder mehr für Gott machen zu können.

Vielleicht ist dein „Gefängnis“ nicht so einfach zu durchschauen, wie meins. Vielleicht fragst du dich, wie du jemals aus dieser Phase deines Lebens herauskommen sollst. Vielleicht ist deine Zeit geblockt, weil du darum ringst dich um deine Familie zu kümmern und du weißt nicht, wie dich das irgendwie im Leben weiterbringen soll. Ich glaube, Josef wusste auch nicht, weshalb diese Zeit im Gefängnis notwendig war. Ich glaube, das große Ganze sehen wir erst, wenn wir zurücksehen. Dann erst erkennen wir die deutlichen Fingerabdrücke Gottes, die er auf unserem Leben hinterlassen hat.

Bis dahin möchte ich dich ermutigen, weiterzumachen. Sei treu und verantwortungsbewusst in deinen Aufgaben und nutze die kleinen Möglichkeiten, die sich dir bieten, um ein Zeugnis zu sein. Du magst dich vielleicht gerade so fühlen, aber du bist nicht nutzlos. Du bist Teil von Gottes Plan.

Denn ich weiß genau, welche Pläne ich für euch gefasst habe´, spricht der Herr. `Mein Plan ist, euch Heil zu geben und kein Leid. Ich gebe euch Zukunft und Hoffnung. ~Jeremia 29,11

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