Hauptsache, wir sind gerettet

Letzte Woche habe ich mich mit einer Familie getroffen, mit deren Kindern ich schon sehr lange eng befreundet bin. Im Laufe der Zeit wurde diese Familie zu meiner zweiten Familie und ich bin Gott unglaublich dankbar, sie kennen zu dürfen. Es gibt nur einen Haken: soweit ich weiß, kennen sie Jesus nicht. Auf unsere Freundschaft hat das keine Auswirkungen, aber immer wieder, wenn ich daran denke, macht es mich traurig. Es ist eine wunderbare Familie, sozial engagiert, großzügig und hilfsbereit, aber allein das wird ihnen vor Jesu Richterstuhl nicht helfen.

Als ich vor kurzem für sie gebetet habe, bemerkte ich, wie ich betete: Herr, es ist mir egal, wenn sie nur Larifarichristen sind, Hauptsache, sie sind gerettet!

Das war der Moment, indem mir klar wurde, wieso Gott keine Leistung von uns erwartet. Wieso Gott seinen Sohn für uns in den Tod gegeben hat.

Es ging ihm einfach nur um uns. Hauptsache, wir sind gerettet. Und dafür hat er alles getan, was er konnte.

Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat. ~Joh 3,16

So abgedroschen dieser Vers auch sein mag, so bekommt er doch in diesem Licht einen vollkommen neuen Glanz. Kann es sein, dass wir manchmal vergessen, was das Evangelium ist? Kann es sein, dass es uns manchmal so wichtig ist, uns mit Begeisterung für Gott einzusetzen, dass wir frustriert sind, wenn andere das nicht tun? Wir verurteilen sie heimlich. Wir denken, wir seien die richtigen Christen. Dabei ist das überhaupt nicht das, worum es geht.

Mein Herz ist erfüllt von tiefem Schmerz und großer Trauer um mein Volk, meine jüdischen Schwestern und Brüder. Ich wäre sogar bereit, für immer verflucht zu sein und von Christus getrennt, wenn ich sie dadurch retten könnte. ~Römer 9,2-3

Diese Worte hat Paulus geschrieben. Der Paulus, der sein Leben aufgegeben hat, für Jesus. Der Paulus, der alles Recht gehabt hätte zu sagen: „Du bist kein richtiger Christ, wenn du dein bequemes Leben lebst!“ Und doch ist es dieser Paulus, der seine Rettung aufgeben würde, wenn dadurch andere gerettet werden würden. Ohne Bedingungen. Nicht „wenn ich sie dadurch retten könnte und es sie dazu anhalten würde, ihr Leben vollkommen für Christus aufgeben.“ Paulus hat verstanden, was mir manchmal noch schwer fällt.

Es geht nicht darum, was wir tun. Hauptsache, wir sind gerettet.  

Versteht mich nicht falsch, es ist gut und richtig, wenn wir aktiv Gottes Reich bauen, wenn wir uns für ihn einsetzen, unser Leben an seinen Maßstäben ausrichten und ihn bezeugen. Aber wie sagt man so schön? Hauptsache ist, dass die Hauptsache die Hauptsache bleibt.

Der Dienst, den wir tun, macht uns nicht zu einem besseren Christen. Er macht uns vielleicht authentischer, wenn wir von unserem Glauben reden, aber er macht uns nicht besser. Er rettet uns nicht.

Vielleicht ist es dran, uns wieder auf die Hauptsache zu besinnen. Lasst uns nicht Leistung erwarten, weder von uns, noch von unseren Mitchristen. Lasst uns nicht einen Druck aufbauen, wo Jesus uns die Last genommen hat. Klar dürfen wir uns einsetzen. Aber Hauptsache ist, wir sind gerettet.

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3 Kommentare zu „Hauptsache, wir sind gerettet

  1. Auch wenn wir uns in keinster Weise engagieren, so ist doch der Glaube entscheidend…stimmt.
    Nur ich glaube nicht, dass jemand, der wirklich glaubt, ein „Larifarichrist“ sein kann.
    Wirklicher Glaube schenkt uns den Heiligen Geist. Und dieser wieder führt uns in alle Geheimnisse und in alle Wahrheit.
    Und das heisst, dass wir gar nicht mehr anders können, als zu lernen nach Gottes Willen zu handeln.
    Dann sind wir aber keine Larifarichristen…hmmm, was meinst Du?

    1. Hi 🙂
      Du hast Recht, Larifarichrist ist ein etwas unglücklich gewählter Ausdruck.
      Ich glaube, wenn wir erkennen, dass wir vor Gott sündig sind und Jesus als Erlöser brauchen und annehmen, sind wir gerettet. Aber allein dieser Schritt muss nicht zwangsläufig dazu führen, dass sich unser Leben um 180° dreht. Schön wäre das, aber ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Menschen sich manchmal unter ungünstigen Bedingungen bekehren, ohne andere Christen, die sie im Glauben an die Hand nehmen können, sodass sie mit ihrem neuen Glauben gar nicht so viel anzufangen wissen. Dementsprechend leben sie oft nicht das Leben eines Vorzeigechristen oder bauen Reich Gottes, einfach weil sie als Babys im Glauben nichts davon wissen. Diese Christen sehen wir in diesem Stadium vielleicht nicht unbedingt als „nützlich“ an, oder glauben vielleicht gar nicht, dass diese Menschen Christen sind, aber es sind eben nicht ihre Taten, die sie gerecht machen (Eph 2,8).
      Mit dem Artikel möchte ich einerseits darauf hinaus, dass wir nicht auf andere Christen herab sehen, die ihren Glauben (noch) nicht so leidenschaftlich leben, wie wir selbst. 1. steht es uns nicht zu, das zu beurteilen und wir können das auch gar nicht realistisch, da wir 2. nicht wissen, womit sie zu kämpfen haben, um Gott treu zu sein.
      Zum Anderen fallen wir glaube ich gerne auf der anderen Seite vom Pferd herunter und kämpfen darum die (vermeintlichn) Erwartungen von anderen, Gott und uns selbst zu erfüllen. Dabei vergessen wir, dass Gott keine Erwartungen an uns stellt und allein diese Tatsache motiviert uns dazu, aus Liebe zu ihm unser Leben zu ändern.
      Ist es so verständlicher, was ich damit meine?
      Liebe Grüße!

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