Tu’s einfach!

Letzte Woche war ich einkaufen. Die Kasse war extrem lang und während ich wartete wechselte ich ein paar Worte mit einer alten Dame hinter mir. Endlich war ich dran. Die Kassiererin zog meine Sachen über die Kasse, ich bezahlte und als ich gerade gehen wollte, kam mir der Gedanke ‚Zahle für die Dame hinter dir auch noch.‘ Ich weiß nicht, ob man mir die Überraschung am Gesicht angesehen hat. Wahrscheinlich nicht, denn die Kassiererin hatte mich schon verabschiedet und mit den Einkäufen der Kundin nach mir angefangen. Noch vollkommen überrumpelt ging ich zum Auto. Meine Gedanken klangen in etwa so: ‚War das jetzt Gott? Warst du jetzt ungehorsam? Na toll. Aber hätte er mir das nicht früher gesagt, sodass ich mich darauf hätte vorbereiten können? Das war halt echt knapp… Muss ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben? Gott, woher erkenne ich, ob du das bist, der hinter solchen Gedanken steckt?

Die Antwort kam ziemlich umgehend.

Kann es sein, dass wir manchmal aus dem Reden Gottes eine Raketenwissenschaft machen? Dass wir uns viel zu viele Gedanken machen, ob Gott jetzt etwas gesagt hat, oder auch nicht?

Was wäre gewesen, wenn ich die Dame gefragt hätte, ob ich für sie zahlen darf, ohne, dass Gott mich eigentlich dazu aufgefordert hatte? Oh nein! Undenkbar! Eine Katastrophe!

Nein, natürlich nicht. Sie hätte entweder ‚nein‘ gesagt und ich wäre gegangen, oder sie hätte ‚ja‘ gesagt und ich hätte an dieser Stelle ein Segen sein dürfen. Wenn es richtig gut gelaufen wäre, hätte sie mich gefragt, warum ich das mache und ich hätte ihr erzählen können, von dem, der einmal einen viel höheren Preis für mich bezahlt hat.

Ob Aufforderung von Gott oder nicht, es wäre zumindest mal nicht schlecht gewesen.

Jesus hat uns aufgefordert, unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst (Lk 10,27). Auf die Frage, wer unser Nächster ist, antwortete er:

»Ein Mann befand sich auf der Straße von Jerusalem nach Jericho, als er von Räubern überfallen wurde. Sie raubten ihm seine Kleider und sein Geld, verprügelten ihn und ließen ihn halb tot am Straßenrand liegen. Zufällig kam ein jüdischer Priester vorbei. Doch als er den Mann dort liegen sah, wechselte er auf die andere Straßenseite und ging vorüber. Dann kam ein Tempeldiener und sah ihn ebenfalls dort liegen; doch auch er ging auf der anderen Straßenseite vorüber. Schließlich näherte sich ein Samariter. Als er den Mann sah, empfand er tiefes Mitleid mit ihm. Er kniete sich neben ihn, behandelte seine Wunden mit Öl und Wein und verband sie. Dann hob er den Mann auf seinen eigenen Esel und brachte ihn zu einem Gasthaus, wo er ihn versorgte. Am nächsten Tag gab er dem Wirt zwei Denare5 und bat ihn, gut für den Mann zu sorgen. `Sollte das Geld nicht ausreichen´, sagte er, `dann werde ich dir den Rest bezahlen, wenn ich das nächste Mal herkomme.´ Wer von den dreien war nun deiner Meinung nach der Nächste für den Mann, der von Räubern überfallen wurde?«, fragte Jesus. Der Mann erwiderte: »Der, der Mitleid hatte und ihm half.« Jesus antwortete: »Ja. Nun geh und mach es genauso.« ~Lukas 10,30-37

Jesus erzählte nichts davon, dass eine Stimme vom Himmel den Samariter angewiesen hatte, sich um den Mann zu kümmern. Der Samariter tat es ohne zu hinterfragen, ohne zu überlegen, ob das jetzt dran ist.

Das ist der Mut, die Initiative, die ich in meinem Leben anstrebe. Jesus hat uns doch schon gesagt, dass wir die Menschen um uns lieben sollen, wieso erwarten wir dann von Situation zu Situation noch eine explizite Aufforderung?

Wenn ich bei meinen Eltern bin, bemühe ich mich, im Haushalt zu helfen, den Tisch mit abzuräumen oder wasauchimmer, weil ich weiß, dass meine Mom sich das von mir wünscht und ich sie damit ehren möchte. Wenn sie mich explizit dazu auffordern muss, finde ich das schade, weil ich eigentlich gerne schon die Person wäre, die das selbstverständlich macht.

Was sagt das über uns, wenn Gott uns immer erst explizit auffordern muss, unsere Mitmenschen zu lieben? Wenn er uns jedes Mal sagen muss: „Schau mal, da hast du eine Möglichkeit jemandem zu dienen und mich zu ehren.“

Lasst uns Gottes Liebe in die Welt tragen. Lasst uns Menschen lieben und dienen, auch die, die wir auf den ersten Blick als unter unserer Würde erachten, nicht, damit wir bessere Christen sind, sondern damit Jesus und seine Liebe verherrlicht werden.

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2 Kommentare zu „Tu’s einfach!

  1. Als ich deinen Blog Eintrag gelesen habe, da dachte ich mir da hat sie vollkommen recht. Und ist im Alltag so viel klar und normal zu tun aber wenn wir was für Gott tun sollen/wollen erwarten wir immer was zu hören bevor wir was tun. Danke für die Erinnerung das der barmherzige Samariter keine Stimme Gottes gebraucht hat um zu helfen. Was die Frage aufwirft: warum erwarten wir es in der heutigen Zeit…das Gott immer und überall mit uns reden muss damit man etwas tut. Und selbst wenn er redet ist es nicht klar das man es tut, denn man könnte sich ja verhört haben….
    Ich wünsche mir auch mehr zu sein wie der barmherzige Samariter…

    1. Ich glaube, was uns zurückhält, ist oft Angst. Angst vor dem, was andere Menschen von uns denken, wenn wir uns nicht 100% angepasst verhalten. Selbst wenn wir etwas Gutes tun, wie für die Frau hinter uns an der Kasse zu bezahlen, oder einem Obdachlosen einen Schal zu schenken, verhalten wir uns nicht „normgerecht“. Wir handeln gegen unsere weltlich-deutsche Kultur und das erfordert Mut. Aber wenn wir zum Reich Gottes gehören, gehören wir nicht mehr zur weltlichen Kultur und wir dürfen die Kultur dieser Welt durch die Reich-Gottes-Kultur prägen. Ich bete, dass wir den Mut haben als Fremde in dieser Welt zu leben.

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