Reset: Bei Sünde Neuanfang

Ich war mal mit zwei Freunden Minigolf spielen. Nachdem wir den Parcours komplett durchlaufen hatten, hatten wir noch Zeit übrig und wir beschlossen uns zu gestatten, an freien Stationen unsere Schlagzahlen etwas zu verbessern. Am Ende standen wir an einer von diesen üblen Stationen, die man mit einem Schlag schaffen muss, Rampe hoch und ins Netz oder sowas. Die anderen beiden hatten es bei diesem zweiten Durchgang bereits geschafft, ihre sieben Punkte zu reduzieren. Fehlte nur noch ich. Schlag eins – daneben. Zwei – auch. Immer weiter, bis Schlag sechs – immernoch daneben. Schade. Ich wollte schon aufhören, als einer meiner Freunde mir nochmal meinen Ball zuwarf und meinte: „Komm, das schaffst du heut auch noch!“ Und damit ging es los… Ich schlug, er warf mir den Ball wieder zu. Unermüdlich und mit wesentlich mehr Geduld, als ich. Daneben – nochmal. Ich hatte irgendwann keinen Bock mehr, aber davon wollte er nichts hören. „Mach’s nochmal!“, ermutigte er mich, solange bis beim 39. Versuch oder so der Ball endlich da landete, wo er hingehörte.

Das griechische Wort für „Sünde“ heißt so viel wie „Ziel verfehlt“. So, wie wenn man beim Bogenschießen die Zielscheibe nicht trifft. Oder beim Golfspielen das Loch…

Wenn wir sündigen, verfehlen wir das Ziel unseres Lebens: Gott zu verherrlichen. Wir stellen irgendetwas über ihn. Oft uns selbst und unsere Wünsche und Träume. Manchmal andere Menschen, denen wir mehr gefallen wollen, als Gott. Aber wie auch immer unsere Sünde aussehen mag, egal ob wir links oder rechts am Loch vorbeischlagen, ob wir darüber hinausschießen oder auf dem Weg dahin verdursten, das Resultat ist das Gleiche: Am Ende haben wir das Ziel nicht erreicht. Wir tun nicht das, wofür wir ursprünglich geschaffen wurden. Wir versäumen es, dem König der Könige den angemessenen Respekt und die gebührende Ehrerbietung entgegen zu bringen. Und das wissen wir. Was macht das mit unserer Beziehung zu Gott?

Wir kennen das teilweise vielleicht von unseren menschlichen Beziehungen. Wenn wir jemanden enttäuscht haben, fällt es uns schwer, dieser Person die Augen zu sehen. Die Gründe können ganz unterschiedlich sein. Oft hängt es, glaube ich, mit der Angst vor den Konsequenzen zusammen. Als Kinder war die Konsequenz bei unseren Eltern, dass es Ärger gab. Heute haben wir vielleicht Angst, Sympathien zu verlieren oder uns der Tatsache stellen zu müssen, dass wir jemanden mit unserem Verhalten verletzt haben. Unser Verhalten tut uns Leid und wir erwarten Konsequenzen, die wir oftmals auch für gerechtfertigt halten. Aber so normal dieses Verhalten in unseren menschlichen Beziehungen ist, so schädlich ist es in unserer Beziehung mit Gott.

Gott wird uns nie Unrecht tun und damit sind immer wir der Part mit dem schlechten Gewissen. Wir versagen wieder und wieder, Gott nie. Wenn wir unser menschliches Schema anwenden und unsere Schuld erst etwas mit uns rumtragen, bis wir das Gefühl haben, genug Buße getan zu haben, oder quitt mit dem anderen zu sein, werden wir irgendwann vor einem riesigen Problem stehen: Vor der Erkenntnis, dass wir Gott nie genügen können. Dass wir nie genug Buße tun können, um in dieser Beziehung irgendwie einen Ausgleich schaffen zu können. Dass wir immer die nehmende Partei sein werden und Gott gar nichts geben können.

Diese Erkenntnis tut weh. Vielleicht erscheint es uns unfair und wir fragen uns, wie Gott das aushalten kann. Wieso vergibt er uns immernoch, wenn wir es doch nie auf die Reihe kriegen?

An diesem Punkt gibt es zwei Wege, die wir einschlagen können. Entweder, wir halten an unserem menschlichen Schema fest. Wir geben uns noch mehr Mühe und schaffen es aber doch nicht, die göttlichen Standards zu halten. Wir verurteilen uns selbst. Wir bestrafen uns selbst. Und das schlimmste ist, wir wagen uns irgendwann nicht mehr in Gottes Nähe.

Aber es gibt noch einen zweiten Weg. Der zweite Weg ist, dass wir mehr zu verstehen beginnen, was göttliche Gnade ist. Wir sehen ein, dass, obwohl wir Gott nichts zu bieten haben, er uns liebt und sich nach Gemeinschaft mit uns sehnt. Wir erkennen, dass wir liebenswert sind, trotz unserer sündigen Natur und es zieht uns näher zu dem hin, der uns wieder und wieder vergibt. Wir beginnen zu begreifen, was es heißt, dass Jesus die Konsequenzen für unser Handeln bereits getragen hat und dass wir nichts tun können, um diese Gnade und Vergebung wieder zu verlieren.

Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. ~ 1.Johannes 1,9

Wir müssen nichts weiter tun, als unsere Schuld zu bekennen. Das war’s. Wir müssen nicht erst Gras über die Sache wachsen lassen, nicht erst Wiedergutmachung leisten. Nichts.

Wie mein Minigolf-Coach an diesem Tag, ist Gott jederzeit bereit, uns den Ball wieder zuzuwerfen und zu sagen: „Schade, war nix. Versuch’s nochmal!“ Und wir dürfen jedes Mal dankbar den Ball wieder aufnehmen und nochmal schlagen. Und wenn es nochmal daneben geht, probieren wir es wieder. Und wieder. Und wieder. Bis es klappt.

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Ein Kommentar zu „Reset: Bei Sünde Neuanfang

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