Dialog mit Gott

Ich war nie eine große Tagebuchführerin. Ich habe öfter mal begeistert damit angefangen, aber wie das oft so ist, lag es nach spätestens einigen Monaten wieder traurig in der Ecke – weil ich zu faul zum Schreiben war, weil ich den Sinn darin nicht fand, die Zeit dafür nicht hatte. Ich weiß nicht, wie oft ich mir mit dem Gedanken ‚Jetzt aber!‘, wieder ein neues Notizbuch gekauft habe. Schön und besonders, damit man es gerne in die Hand nimmt. Aber sie alle ereilte das gleiche Schicksal. Inzwischen führe ich schon seit Längerem etwas, das für mich am ehesten an ein Tagebuch herankommt – und das auf einem ganz normalen Notizblock. Aber der Inhalt macht diesen Notizblock für mich wichtiger und besonderer, als jedes Tagebuch.

Ich habe vor Längerem angefangen viele meiner Gebete aufzuschreiben. Dabei spreche ich nicht von Fürbitten, die in Stichpunkten notiert werden, damit man sie auch alle abklappert, sondern meine ganz persönlichen Gebete – meine Auseinandersetzungen mit Gott, wenn man so will. Auf gewisse Art und Weise ist dadurch meine Beziehung mit Gott dokumentiert, meine Kämpfe, aber auch die Dinge die gut laufen. Unsere einseitigen und von mir ausgehenden „Streits“, wenn ich gerade mit etwas nicht klar komme, das er mir gibt, aber genauso wieder die Versöhnung im Anschluss. Aber diese Dokumentation ist nicht der Grund für das Aufschreiben.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mir das Schreiben dabei hilft, meine Gedanken zu ordnen. Einer der Pastoren aus meiner Gemeinde pflegt zu sagen: „Schreiben macht genau!“ Das stimmt, denn sobald ich meine Gedanken aufschreiben will, muss ich ihnen auf den Grund gehen. Gefühle lassen sich nun mal nicht einfach nur als Schwall und Durcheinander festhalten, außer ich fasse sie in Worten zusammen. Ein zweiter Grund ist, dass ich mich länger mit etwas außeinandersetzen kann, wenn ich es aufschreibe. Die Gedanken schweifen nicht so schnell ab, sie intensivieren sich eher und am Ende verstehe ich mich selbst ein bisschen besser.

Warum erzähle ich das? Noch ist es tatsächlich nicht wirklich besonders. Aber das Beste kommt noch:

Ich habe erlebt, wenn ich meine Gedanken und Gefühle so vor Gott ausschütte, bleibt es oft nicht bei einem Monolog. Irgendwann kommt der Punkt, an dem Gott antwortet, an dem er mir Trost zuspricht oder Korrektur, in dem er mir eine neue Perspektive schenkt, seinen Blick auf die Dinge – und das ist der Grund, weshalb dieser Notizblock alle möglichen Tagebücher überdauert: Weil er sich nicht nur um mich dreht, sondern um meine Beziehung zu meinem Schöpfer und Freund.

Vielleicht fragst du dich, wie so eine Antwort von Gott aussehen kann. Vielleicht kommt dir das ganze Konzept komisch vor, dass Gott antwortet, weil du das noch nie erlebt hast.

Die Bibel verspricht uns, wenn wir Schritte auf Gott zu machen, dann kommt er uns entgegen (Jak 4,8). Wie könnten wir uns mehr auf Gott zubewegen, als darin, dass wir ihm unser Herz ausschütten, ihm genau sagen, was uns bewegt. Und warum sind wir dann überrascht, wenn er nicht nur auf uns zukommt, sondern sogar zu uns spricht?

Naht euch Gott Jak 4,8

Meistens ist Gottes Reden einfach nur ein spontaner Gedanke, der mir zu meinem Dilemma einfällt – ganz kurz nur, aber auf einmal ist alles klar. Auf einmal kenne ich die Wurzel, manchmal die Lösung des Problems. Manchmal gibt es einfach nur einen Schift in der Perspektive und was eben noch hoffnungslos verfahren wirkte, kann ich auf einmal als Riesenchance sehen, an der ich mich von Herzen freuen kann.

Gott wünscht sich eine Beziehung mit uns. Zu einer funktionierenden Beziehung gehören Gespräche. Gespräche, in denen beide Seiten zum Reden kommen. So klischeehaft der Ausruf der Frau gegenüber ihrem Mann auch sein mag, „Du hörst mir gar nicht zu!“ ist wohl oft ein Grund für Stress in den unterschiedlichsten Freundschaften. Ein Grund für Ferne, wo eigentlich Nähe sein sollte.

Wie kommt es, dass wir oft nur Monologe beten? Gebet ist ein Reden mit Gott. Er hört uns zu und er hat definitiv eine Meinung, zu dem, was uns bewegt. Lasst und zuhören, wenn er spricht. Lasst uns damit rechnen, dass er spricht. Lasst uns ihm unser Herz ausschütten, egal ob Freude oder Leid, und hören, was er dazu sagen will.

Herr, zu wem sollten wir gehen? Nur du hast Worte, die ewiges Leben schenken. ~Johannes 6,68

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