Wissen ist Last

Wissen ist ein hoch geschätztes Gut in unserer Gesellschaft. Bildung bedeutet Zugang zur Oberschicht. Bessere Chancen, ein besseres Leben. Von Kind an, ist es wichtig, sich Wissen anzueignen – oder es zumindest in Prüfungssituationen authentisch vortäuschen zu können. Und so, wie wir Wissen vortäuschen können, können wir auch Unwissen vortäuschen und obwohl das auf den ersten Blick wesentlich leichter klingt, ist es oft viel schwerer. Wissen bringt Verantwortung mit sich und Verantwortung die Aufforderung zum Handeln. Können wir uns wirklich dieser Aufforderung entziehen? Was, wenn wir eine Entdeckung im Glauben gemacht haben und uns die Konsequenzen, die dieses Wissen mit sich bringt nicht gefällt?

Wahrscheinlich weiß in meinem Bekanntenkreis inzwischen ungefähr jeder, der sich in letzter Zeit etwas länger mit mir unterhalten hat, dass ich ein bestimmtes Buch gelesen habe: Katie: Leben für Ugandas Kinder*. Katies Geschichte ist eine vorbildliche „Vom Tellerwäscher zum Millionär“- Story – nur umgekehrt. Katie ließ Collegeausbildung, Auto, Freund, Familie und den Komfort eines bequemen amerikanischen Lebens zurück, um nach Uganda zu ziehen und dort als Missionarin zu arbeiten. Für immer. Ihr Buch hat mich unglaublich beeindruckt und Gott hat mir durch Katies Geschichte eins sehr deutlich gemacht: Mein Leben gehört nicht mir. Es ist nicht für mich da, damit ich es bequem und schön habe. Der Grund, warum ich auf dieser Erde bin, ist ein anderer. Und zwar, um Gott zu dienen, sein Reich hier auf der Erde aufzurichten und seine Liebe im Übermaß an meine Mitmenschen weiterzugeben.

Eine neue Erkenntnis. Nicht, dass ich davon vorher nichts geahnt hätte, aber Gott hat mich diese Realität durch Katies Buch etwas mehr verstehen lassen. Neues Wissen. Wissen, über das ich unglaublich begeistert und dankbar war. Ich habe wieder mehr verstanden, was es heißt, für Gott zu leben, mein Kreuz auf mich zu nehmen. Ich kann ihm mit dieser Erkenntnis etwas besser dienen, bin vielleicht ein ganz kleines bisschen weiter an die Person herangekommen, als die Gott mich geschaffen hat.

Und dann kommt der Alltag.

Wissen fordert Handeln und wenn Gott uns sich in einem Bereich etwas mehr offenbart, soll das normalerweise Konsequenzen nach sich ziehen.

Aber Konsequenzen sind manchmal unbequem. Wir müssen alte Verhaltensmuster aufbrechen und das ist oft schwer und unangenehm.

In meinem Fall heißt das, dass ich nach einem Tag Volleyballspielen im Park zu Hause sitze und frustriert mit mir selbst diesen Artikel schreibe. Ein paar Fremde wollen mit uns spielen und ich habe sie nicht eingeladen. Sie haben sogar gefragt, aber ich habe nicht ‚ja‘ gesagt. Stattdessen war ich froh, dass auch die anderen nicht ‚ja‘ gesagt haben. ‚Wir haben doch schon letzte Woche mit ihnen gespielt. Heute wollen wir gerne unter uns sein.‘ Zu bequem. Zu egoistisch. Wo ist die selbstlose Liebe, die ich an Katie so bewundere und die ich mir in Neonschrift über mein Leben schreiben wollte?

Weg.

Und so schnell merke ich wieder, wie unzulänglich ich bin. Wie wenig Gott sich doch auf mich verlassen kann. Wie wenig ich ihm eigentlich zu geben habe. Nichts.

Aber auch wenn ich falle, gibt es einen, der mir wieder auf hilft. Es gibt einen, auf den ich mich verlassen kann. Einen, der mir eine neue Chance gibt, auch wenn ich versagt habe und meiner Bestimmung nicht gerecht geworden bin. Und deshalb will ich weitermachen. Ich will wieder aufstehen und nach neuem Wissen streben. Ich will nach mehr Erkenntnissen über diesen einen wunderbaren Gott suchen, der sein Leben für mich gab und das beste Vorbild für selbstlose Liebe überhaupt war. Und ich will die Konsequenzen meiner Erkenntnisse tragen. Ich will wissen, was es heißt, selbstlos zu lieben. Ich will es lernen und ich weiß, dass wieder Situationen kommen werden, in denen ich meine Mitmenschen lieben kann. Mit seiner Hilfe. Mit der Hilfe dessen, der mich zuerst geliebt hat. Und dass ich nach und nach verstehen kann, was es heißt, sein Leben aufzugeben, denn nicht mehr ich bin es, die lebt, nein, Christus lebt in mir. (Gal 2,20)

Dann sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Wenn jemand mein Jünger sein will, muss er sich selbst verleugnen, sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“  ~Matthäus 16,24-25

 

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