Im Hamsterrad der Leistung

Mein letzter richtiger Urlaub liegt schon ein paar Jahre zurück. Das heißt nicht, dass ich zwischendurch keine Freizeit hatte, aber mehr als mal 1-2 Tage habe ich mir selten „richtig“ freigenommen. Ich glaube, das ist etwas, das das Studium so mit sich bringen kann. Selbst wenn man Zeit hat, könnte man eigentlich was für die Uni machen. Es ist immer Luft nach oben. Für mein Studium habe ich mich nicht überarbeitet, aber ich habe vieles nebenher gemacht. Manche Menschen haben mich in dieser Zeit als „immer beschäftigt“ charakterisiert. „Pass auf, dass du nicht zu viel machst!“ – „Das geht schon“, war meistens meine Antwort.

Jetzt ist meine letzte Hausarbeit abgegeben es liegen vier Wochen vor mir, die es zu überbrücken gilt. Vier Wochen, in denen das einzige, was ich zu tun habe, ist, einen Umzug vorzubereiten. Vier Wochen, ohne den Druck im Nacken, eigentlich etwas lernen zu müssen, oder eine Arbeit weiterschreiben zu müssen. Vier Wochen ohne das schlechte Gewissen, wenn ich einfach nur rausgehe und die Sonne genieße. Vier Wochen, auf die ich mich echt gefreut habe – und die mich schon nach der ersten Woche in eine Krise stürzen.

Im Gegensatz zu dem, was ich erwartet habe, war diese Woche nicht entspannt. Sie war vor allem dadurch geprägt, dass ich nichts mit mir anzufangen wusste. Mein Zimmer und meine Küche sind inzwischen ordentlicher als je zuvor. Ich habe Scones gebacken, einen Kartoffel-Käse-Auflauf ausprobiert und wieder Keyboard geübt. Ich habe einen ganzen Tag bewusst mit Gott verbracht, an dem ich mir Zeit genommen habe, Bibel zu lesen, zu beten und Lobpreis zu machen. Trotzdem stehe ich auf und bin unzufrieden mit mir selbst. Unzufrieden, mit dem, wie ich meine Tage verbracht habe. Es ist nicht so, dass ich die Dinge bereue, die ich getan habe, aber sie kommen mir sinnlos vor. Verschwendet.

Das ist zwar alles schön und gut, was ich getan habe, aber was hat Gott davon? Hat dadurch ein Mensch Jesus kennengelernt?

Ich glaube, unsere Generation ist ruhelos. Wir müssen immer etwas tun, immer produktiv sein, immer unterwegs, bloß nicht faul rumsitzen.

An irgendeinem Punkt in unserem Leben haben wir angefangen, der Lüge unserer Gesellschaft zu glauben, dass Geschäftigkeit Göttlichkeit ist. Wenn du nicht beschäftigt bist, bist du nicht wichtig. Du gibst dir nicht genug Mühe. Du setzt dich nicht genug ein. Du bist nicht wertvoll genug. Du bist nicht genug. ~Hanna Seymour

Hättest du mich gefragt, hätte ich dir gesagt, dass mein Wert natürlich nicht in dem begründet ist, was ich leiste. Aber manchmal ist unser Herz einer Lüge aufgesessen, auch wenn unser Verstand sie schon durchschaut hat.

Rational ist uns völlig klar, dass wir nichts leisten müssen. Dass wir nichts leisten können, um Gott zu beeindrucken. Um irgendwie unser Image aufzupolieren. Aber unsere Emotionen sind so von unserer Umwelt geprägt, dass wir es trotzdem versuchen. Dass wir es weder wirklich fassen noch aushalten können, mit leeren Händen dazustehen und rein gar nichts vorweisen zu können.

Noch einmal: Durch ´Gottes` Gnade seid ihr gerettet, und zwar aufgrund des Glaubens. Ihr verdankt eure Rettung also nicht euch selbst; nein, sie ist Gottes Geschenk. ~Epheser 2,8

Gottes Gnade ist ein Geschenk. Ein Geschenk, das wir dankbar annehmen dürfen. Wir haben keine Chance dieses Geschenk zu rechtfertigen. Wir haben es nicht verdient. Das ist Gnade.

Lasst uns dieses Geschenk nicht mit Füßen treten, indem wir versuchen, es zu rechtfertigen. Indem wir versuchen, zu zeigen, dass wir es verdient haben. Sondern, wenn wir wieder das Gefühl haben, nicht genug getan zu haben, nutzlos zu sein, Zeit verschwendet zu haben, lasst uns in Gottes Gegenwart kommen, mit leeren Händen und uns neu zusprechen lassen, dass wir trotzdem geliebt und angenommen und gewollt sind.

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2 Kommentare zu „Im Hamsterrad der Leistung

  1. Da kommt mir Martha und Maria im Lukas 10 in den sinn.
    Auch ich konnte lange nicht abschalten oder mich zurück lehnen.
    Nichts machen, war eine qual.
    Doch Jesus hat mir gezeigt, dass es eben manchmal diese abschalt phasen braucht. Diese Sabate welche auch mal länger gehen dürfen.
    Es ist mir nun bewusst geworden , dass Jesus uns nicht auspressen will sondern erbauen. Und wenn man ein gebäude baut braucht es auch die ruhe phasen, damit z.b. der Beton trocknet oder die Farbe. Würde man diese Zeit nicht lassen, würde das gebäude nicht lange halten.
    Jesus möchte Jünger welche mit voll gefülltem Tank raus gehen, nicht weil er uns möglichst lang weg haben möchte,sondern, dass wir anderen von diesem vollem weitergeben können.
    Mitlerweilen fällt es mir viel leichter auch einmal nichts zu tun und ich finde es cool wie jesus in diesen Zeiten wirklich auch erbaut.

    1. Stimmt, die beiden hatte ich die Tage auch im Kopf 🙂
      Das mit dem Hausbau ist ein sehr schönes Bild, das muss ich mir merken! Ich finde man denkt oft, man muss schaffen und schaffen und schaffen und tut Gott einen Gefallen damit, ohne zu merken, dass man sich damit kaputt macht und es irgendwann gar nicht mehr um Jesus geht.
      Liebe Grüße!

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