Auf der Flucht

Manchmal sind wir auf der Flucht. Vielleicht ist es uns gar nicht so bewusst, weil wir uns nicht dafür entschieden haben, aber es ist einfach passiert. Wir sind abgerutscht, nur etwas vom Weg abgekommen und auf einmal finden wir uns in einem riesigen Wald wieder, und stellen fest, dass wir uns verlaufen haben. Und dann? Wenn es gut läuft, finden wir schnell wieder unseren Weg und können einfach zu ihm zurückgehen und weiterlaufen. Aber je länger wir durch diesen Wald irren, desto schwieriger wird es, unseren Weg wieder zu finden. Wobei „finden“ hier das falsche Wort ist. Wir wissen, wo der Weg lang läuft. Wir wissen, wo wir falsch abgebogen sind und wie wir wieder zurückkommen können. Aber je länger wir abseits von unserem Weg gelaufen sind, desto mehr Angst haben wir, ihn wieder zu betreten. Wir möchten gerne zurück, weil wir es Leid sind, uns durch das dichte Dornengestrüpp zu schlagen, aber wir denken, wir haben es nicht anders verdient. Wir kannten den Weg doch, wussten, dass wir uns an ihn halten sollen, und haben trotzdem unseren Streifzug ins Gebüsch gestartet. Selbst Schuld. Und dann stehen wir mitten im Wald. Wir laufen parallel zum Weg, aber trauen uns nicht auf den Weg zurück. Wir haben das Gefühl, wir haben es vermasselt. Wir dürfen nicht mehr auf den Weg zurück. Wir haben es nicht mehr verdient. Und so meiden wir den Weg selbst.

Wer als Kind mal im Wald gespielt hat, oder einfach nur mit den Eltern im Wald spazieren war, hat mit Sicherheit schon mal die Erfahrung gemacht, nicht auf dem Weg geblieben zu sein. Wir zogen es vor auf Abenteuertour querfeldein zu laufen. Das war spannend, aber irgendwann kam auch der Punkt, an dem wir wieder auf den Weg zurück wollten – und wenn es nur war, weil wir vor einer undurchdringlichen Hecke standen, um die es kein Drumherum gab, als den Weg selbst. Als Kinder wären wir nie auf die Idee gekommen zu sagen: „Nur weil wir einmal ins Gebüsch gelaufen sind, dürfen wir nicht mehr auf den Waldweg zurück!“ Es war ein Spiel. Und selbst wenn unsere Eltern dabei waren und aus irgendeinem Grund darauf bestanden hätten, dass wir uns dieses eine Mal nicht durch die Büsche schlagen, wären auch sie nie auf die Idee gekommen, bei Ungehorsam zu sagen: „Jetzt bist du in den Wald gerannt, jetzt bleibst du auch da!“

Gott ist unser guter Vater, aber ich glaube manchmal haben wir das Gefühl, ihn verärgert zu haben und uns ihm jetzt nicht mehr nähern zu dürfen. Wir haben mehr oder weniger bewusst seine Gebote übertreten, sind in den Wald gerannt, und plötzlich glauben wir, wir dürften nicht mehr zurück. Wir trauen uns nicht mehr zurück, haben das Gefühl unser Wegrecht verloren zu haben. Und so laufen wir immer weiter von ihm weg. Vielleicht nähern wir uns dem Weg ein paar Schritte an, aber bevor wir ihn wieder betreten, treibt uns unser schlechtes Gewissen wieder in den Wald zurück.

Was für ein Quatsch! Kein guter Vater würde sein Kind dazu verdammen im Wald bleiben zu müssen! Erst Recht nicht, wenn wir gestolpert und von Dornen zerkratzt sind und wirklich wieder zurück wollen.

Ich weiß nicht, wie du vom Weg abgekommen bist und auch nicht, wie lange du schon neben dem Waldweg her läufst. Ich weiß nicht, ob du schon versucht hast, wieder zurück auf den Weg zu kommen, oder ob deine Selbstvorwürfe dich ganz davon abgehalten haben. Aber was immer du auch getan oder nicht getan hast, ich weiß, dass du wieder auf den Weg zurück darfst. Ich weiß, dass dein, dich liebender, himmlischer Vater, auf dem Waldweg steht und deinen Namen ruft, weil er möchte, dass du zu ihm zurück kommst. Ich weiß, dass er mit offenen Armen auf dich wartet, bereit, deine Kratzer und Wunden zu versorgen.

Doch wenn wir unsere Sünden bekennen, erweist Gott sich als treu und gerecht: Er vergibt uns unsere Sünden und reinigt uns von allem Unrecht, ´das wir begangen haben`. ~1.Johannes 1,9

Egal, was dich von deinem Weg abgebracht hat, es gibt nichts, dass schlimm genug wäre, als das Jesu Tod am Kreuz nicht ausreichen würde, um diese Schuld zu bedecken.

Lasst uns nicht länger vor Gott davon laufen. Lasst uns zurück auf den Weg gehen, ehrlichen Herzens um Vergebung bitten, und mutig unseren Weg mit ihm fortsetzen.

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