Die Illusion von Normalität

Eden James ist 20 Jahre alt und Missionarin in Kanada.
In ihrem Artikel "The Unreality of Normality",
den ich von ihrem Blog übersetzen durfte,
gibt sie einen kleinen Einblick in ihre Gedanken.

Dann hörte ich den Herrn fragen: »Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen?« Und ich sagte: »Hier bin ich, sende mich.« ~Jesaja 6,8

Dann hörte ich den Herrn fragen: »Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen?« Und ich sagte: »Hier bin ich, sende mich.« ~Jesaja 6,8

Manchmal denke ich über mein Leben nach und frage mich, wie es wäre „normal“ zu sein.

Zu tun, was „normale“ Zwanzigjährige tun. Ich frage mich, wie es gewesen wäre, die letzten Jahre, direkt nach der Schule zur Uni zu gehen, einen festen Freund zu haben, mit dem ich schon seit Jahren zusammen bin, Nebenjobs zu haben um das Studentenleben zu finanzieren, für Thanksgiving nach Hause zu fahren, mit meinen Geschwistern zu knuddeln während meine Mama den Truthahn vorbereitet und aus Tradition „Kevin allein zu Haus“ zu schauen. An manchen Tagen ist meine Sehnsucht nach dieser bequemen Sicherheit überwältigend und ich muss vor Gott auf die Knie gehen und ihn um neue Kraft anflehen.

Weil mein Leben nicht normal ist.

Ich bin gereist und habe in verschiedenen Ländern gelebt, bin eine Reise von tiefer persönlicher Heilung gereist, habe unbezahlbare Erfahrungen gesammelt, was es heißt, anderen zu dienen, und habe Gott erstaunliche Wunder tun sehen. Jeden Tag wache ich auf, in einer Villa in Kanada, die an einem wunderschönen See gelegen ist und die Gott auserwählt hat, als einen Ort an den gebrochene und verletzte Menschen (aka wir alle) kommen können, um etwas Ruhe zu bekommen. Ich arbeite in einem Vollzeitjob, in dem meine Aufgaben darin bestehen für Menschen zu beten, sie in den Lobpreis zu führen, Gottes Kinder an der Haustür zu begrüßen, wenn sie müde und erschöpft ankommen und ihnen eine Tasse Tee anzubieten, oder Bettlaken zu wechseln, sodass die Zimmer gemütlich und einladend aussehen für wer auch immer als nächstes kommt. Dann verbringe ich abends Zeit damit Onlinekurse an einer Uni abzuarbeiten, während ich mit meinen englischen und niederländischen Mitbewohnerinnen über den Tag lache und die Möglichkeit habe Fotos von wunderbaren Paaren zu machen, unter der Anleitung von einem tollen Fotografen. Kein Tag ist wie der andere, und das ist genau das, was ich mag. Ich mag es, morgens aufzuwachen und den Tag damit zu beginnen, Gott zu bitten, mir mindestens eine Person zu zeigen, die ich an diesem Tag lieben und segnen kann und er gibt mir genügend Gelegenheiten, das auch zu tun.

Dieser ausgesonderte Lebensstil ist herausfordernd, chaotisch, anstrengend, erfrischend, aufregend, einzigartig, abenteuerlich und wunderbar. Ich darf Teil von Gottes Herz für Menschen sein, wie viel besser kann es sein??! Ich erkenne, dass nichts davon ich bin. Das einzige, was ich getan habe, ist, versucht, gehorsam zu sein (auch wenn ich manchmal nur unter viel Gezeter gegangen bin) und Gott den Rest tun zu lassen und ihm die Herrschaft zu geben.

 

Wenn wir an Missionare denken, denken wir oft an mutige Seelen, die zu afrikanischen Stämmen gehen. Das ist etwas Wunderbares, aber ich glaube, auf vielerlei Weise hat unsere westliche Kultur eine Berührung Gottes viel nötiger. Wir verlassen uns so einfach auf die Hilfe von „Dingen“, anstatt uns an Gott zu wenden und oft unterschätzen wir die Heftigkeit der Pläne, die der Teufel gegen uns hat, weil es uns in unserer mit Zuckerguss überzogenen Welt so fern vorkommt. Ich weiß, dass ich das oft tu. Mir kommen oft Gedanken wie ‚Was kann ich tun, um Geld zu verdienen? Warum arbeite ich als Freiwillige, wenn ich einen bezahlten Job haben könnte? Ich bin so müde heute und mir ist nicht danach, zu beten. Ich bin zu erschöpft und gebrochen, um irgendjemandem zu helfen. Gott das macht mir Angst!‘ Aber es ist in diesen Momenten der totalen Unzulänglichkeit, in denen Gott mir am meisten begegnet.

Wenn ich Ihn am meisten brauche, kann ich am leichtesten seine Sehnsucht nach mir spüren.

Also sicher: Bin ich ein Mensch? Ja. Wünsche ich mir manchmal, ich könnte „normal“ sein (was auch immer das genau heißt)? Ja, natürlich. Würde ich irgendetwas an dem ändern, wo Gott mich jetzt gerade hingestellt hat? Nicht in einer Millionen Jahre.

In den vollzeitlichen Dienst einzutreten ist schwer, aber ich glaube, dass wir alle dazu berufen sind. Ob das heißt, alles, was wir haben, zusammenzupacken und in ein anderes Land zu ziehen, oder die Menschen zu lieben und mit ihnen zu sprechen, die mit uns auf die Bahn warten. Jeder von uns ist dazu berufen zu lieben, zu segnen, zu dienen und Gottes Wahrheit zu den Menschen um uns zu sprechen. Es ist egal, wie alt du bist, oder wie zerbrochen du dich fühlst, Gott hat eine Berufung für dein Leben! Such sie! Frage ihn, was deine Berufung ist, bitte ihn, dich darauf vorzubereiten und folge aktiv seinem Willen!

Niemand von uns ist dazu geschaffen „normal“ zu sein. Jeden Tag haben wir die Wahl, dem Ruf zu antworten und zu sagen: „Hier bin ich, sende mich!“ Wir sind dazu berufen radikal für Jesus zu leben! Das schlimmste, was wir für das Königreich tun können, ist uns in einem Stadium von bequemer Passivität einzulullen. Das ist es, wie Dienst und die Kirche sterben. Wann wird „die sichere Seite“ endlich nicht mehr gut genug sein? Menschen sind jeden Tag verletzt und wir haben die Möglichkeit sie nach Jesu Beispiel zu lieben, aber oft trauen wir uns nicht, wegen unserer eigenen Unsicherheit.  Aber wie furchtbar wäre es gewesen, wenn Jesus sich durch seine Ängste davon hätte abhalten lassen, Menschen zu dienen und für die zu beten, die gebrochen, krank und verletzt sind? Wir sind berufen, wie Jesus zu leben.

Ich will dich herausfordern: Geh an irgendeinen öffentlichen Ort. Das könnte die Gemeinde sein, ein Einkaufszentrum, beim Bowlen mit Freunden (Menschen bowlen noch, oder?), die Schule oder die Arbeit. Frage den Herrn aufrichtig, ob es jemanden gibt, den du segnen kannst. Und dann wartest du einfach, darauf zu hören, was Gott dir sagt, oder wen er die zeigt! Er kann dir ein Wort oder einen Vers geben, den du weitergeben sollst; vielleicht ist es nur ein ernstgemeintes Kompliment oder die Nachfrage, wie es ihnen geht. Vielleicht sogar eine Umarmung. Jeder trägt auf irgendeine Weise Schmerz in sich, dadurch ist es sicherer Boden, einfach Interesse zu zeigen, wie es jemandem geht und für sie zu beten, rettet wahrscheinlich jemandes Tag. Es fühlt sich am Anfang vielleicht komisch und ungemütlich an. Vielleicht hast du das Gefühl, du hast falsch gehört. Bringe die Stimme des Feindes zum schweigen, die versucht dir Angst und Zweifel ins Herz zu pflanzen. Du wirst überrascht sein, auf welche Abenteuer dich Gott führt, wenn du aufhörst, ihm im Weg zu stehen und ihn einfach machen lässt. Vertraue dem Herrn und mache einen kleinen Schritt in ein radikaleres Leben.

Du bist nicht dazu berufen, normal zu sein.

 

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4 Kommentare zu „Die Illusion von Normalität

  1. Danke für die Übersetzung des Beitrags! Ein richtig guter Text 😊 gern würde ich in den missionarischen Vollzeitdienst gehen, aber es tut gut, daran erinnert zu werden, dass auch und gerade der Alltag ein Vollzeitdienst ist! 😊

    1. Hey 🙂
      freut mich, dass dich der Artikel angesprochen hat. Gerade nachdem ich dir letzten Monate im Missionsumfeld verbracht habe, geht es mir ähnlich: am liebsten zusammenpacken und los. Aber für die kommende Zeit ist es erstmal noch nicht dran und damit versuche ich keinen Unterschied zwischen Leben als Missionar und „08/15“-Christ zu machen. Jetzt versuche ich zu lernen den missionarischen Lebensstil – in Abhängigkeit von Gott und vollem Gehorsam ihm gegenüber – in meinen Missionsfeld Deutschland zu adaptieren 😉
      Liebste Grüße

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