Rätsel der geschlossenen Türen

Als Christen wollen wir nach dem Willen Gottes Leben. Eine verbreitete Phrase in dem Zusammenhang ist die „offene bzw. geschlossene Tür“. Wenn es um Gottes Führung geht hören wir häufig Menschen sagen, dass Gott bestimmte Türen für sie geöffnet oder geschlossen hat und sie dadurch wussten, was der nächste Schritt war. Aber was, wenn sich Türen schließen, aber es keine offene Tür gibt? Oder wenn wir uns so sicher waren, dass wir einen bestimmten Weg gehen sollen, wir schon durch mehrere Türen in dieser Richtung gegangen sind und uns auf einmal die letzte vor der Nase zuzufallen scheint? Ich schreibe „scheint“, weil ich glaube, dass es noch etwas anderes gibt. Ich glaube, wenn wir nur von offenen und geschlossenen Türen reden, machen wir es uns zu einfach. Gott war nie der Gott des geringsten Widerstandes. Gott ist der Gott, der Widerstände überkommt.

Kann es sein, dass es sich bei manchen vermeintlich geschlossenen Türen lediglich um Hindernisse handelt, die überkommen werden müssen? Eine Sprungchance auf einer Skipiste kann als „geschlossene Tür“ betrachtet werden, als „Hier geht es nicht weiter, bitte finden Sie einen anderen Weg!“ Sie kann aber auch als das gesehen werden, das sie ist: eine Sprungchance, eine Möglichkeit Momentum zu gewinnen, eine Möglichkeit, höher und weiter zu kommen, als es ohne sie möglich wäre.

Wie oft stehen wir vor diesen Sprungchancen, vor Hindernissen und nutzen sie nicht, weil wir sie für eine geschlossene Tür halten, weil wir Angst haben vor dem Sprung, weil sie uns unüberwindbar erscheinen?

Als Gott durch Mose das Volk Israel aus Ägypten geführt hat, hat es eine Weile gedauert, den eigentlichen Auszug vorzubereiten. Diese „Vorbereitung“ beinhaltete zehn Plagen, die Gott über das Land Ägypten kommen ließ (2. Mose 7-12). Durch diese Plagen, von denen die Israeliten oft verschont waren, demonstrierte Gott seine Macht. Er hat sie im Vorhinein angekündigt und es passierte so, wie er es von Anfang an gesagt hatte. Kurz: Gott hat klar gemacht, was sein Plan mit seinem Volk ist und hat begonnen ihn umzusetzen. Jetzt war das Ziel, Israel zu befreien, fast erreicht. Der Pharao hatte verkündet, das Volk dürfe mit allem, was es hat, ziehen. Die Ägypter haben den Israeliten sogar noch Gold und Silber mitgegeben. Aber dann kommen die Israeliten ans Meer und auf einmal sehen sie hinter sich das Heer des Pharaos anrücken.

Als die Israeliten den Pharao mit seinem Heer herankommen sahen, bekamen sie große Angst und schrien zum Herrn um Hilfe. Mose jedoch warfen sie vor: »Hast du uns etwa hierher gebracht, damit wir in der Wüste sterben? Gab es denn nicht genug Gräber für uns in Ägypten? Warum hast du uns das angetan und uns aus Ägypten geführt? Haben wir dir nicht schon in Ägypten gesagt: `Lass uns in Ruhe, wir möchten den Ägyptern dienen?´ Wir hätten lieber weiter für die Ägypter arbeiten sollen, als hier in der Wüste zu sterben!« ~2.Mose 14,10-12

Statt fest auf dem Erfolg zu stehen, den sie gerade erlebt haben, stellen sie alles in Frage, was Gott bis dahin getan hat, um sie zu befreien. Haben sie gesehen, wie Gott den Pharao durch seine Plagen in die Knie gezwungen hat? Ja. Haben sie erlebt, dass ihnen, den Sklaven des Landes, für ihren Auszug Gold und Silber mitgegeben wurde, wie Gott es angekündigt hatte? Ja. Aber obwohl Gott den Weg bis dahin geebnet hatte, obwohl sie zuvor noch Gott angefleht hatten, er möge sie aus Israel herausführen, wollten sie auf einmal zurück.

Ich glaube, wenn wir mit Gott gehen, geht es uns manchmal, wie den Israeliten. Gott hat uns klar gesagt, was er vor hat. Er hat uns Bestätigungen geschenkt, uns klare Schritte vorgezeichnet, aber dann stehen wir vor einem Hindernis und wir denken Gott schlägt uns die Tür vor der Nase zu.

Aber was, wenn das vor deiner Nase gar keine geschlossene Tür ist? Was, wenn es eine Sprungchance ist, durch die Gott noch mehr verherrlicht werden kann, als durch den einfachen Durchmarsch? Wenn wir genau hinschauen, liegt dieses Prinzip der ganzen Geschichte des Exodus zugrunde. Nach jeder Plage, nach der der Pharao sich geweigert hat, Israel ziehen zu lassen, hätte Mose sagen können: „Oh, da hat Gott wohl eine Tür zugemacht. Wahrscheinlich will er doch nicht, das wir ausziehen.“ Dabei hat Gott selbst das Herz des Pharao verhärtet. Er selbst hat die Hindernisse in den Weg gestellt, damit seine Zeichen und Wunder geschehen können und er verherrlicht wird (2.Mose 7,3).

Wenn du kurz davor bist, einen Traum aufzugeben, den Gott dir auf’s Herz gelegt hat, halte nochmal einen Moment inne. Stehst du vor einer geschlossenen Tür oder einer Sprungchance? Bevor du einfach umdrehst und nach Ägypten zurück gehst, frage Gott, ob es nicht doch noch weitergeht. Und wenn du auf dem Weg zu Gottes Ziel bist, wirst du erfahren, was die Israeliten am Meer erfahren durften:

Der Herr selbst wird für euch kämpfen. Bleibt ganz ruhig! ~2.Mose 14,14

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