Der Unterschied zwischen predigen und lieben

Durch einen verpassten Flug auf meinem Weg nach Hawaii, bin ich einen Tag in LA gestrandet. Da ich dort niemanden kannte, zog ich morgens alleine los, um frühstücken zu gehen. Nach einem wunderbar leckeren Frühstück traf ich vor dem Restaurant auf einen Obdachlosen, der mich ansprach, ob ich einen Dollar für ihn hätte. Als ich den Dollar rausholte, sah er einen Zwanziger in meinem Portmonaie und meinte, wenn ich ihm mit einem Zwanziger aushelfen könnte, wäre das auch super. Ich hab das irgendwas gebrummelt von ‚Ne, so viel Geld hätte ich auch nicht‘, hab ihm `nen Dollar gegeben und bin weitergelaufen. Bis mich der Heilige Geist erwischt hat.

„Maike, du warst gerade für 20$ frühstücken und hast nicht genug Geld um einem Obdachlosen mehr als einen Dollar zu geben?“

Im Endeffekt bin ich wieder umgedreht und hab ihn gefragt, ob ich ihm zu Subway einladen kann. Darüber hat er sich voll gefreut, aber keine Anstalten gemacht, zu Subway zu laufen, sondern hat einfach angefangen, mir aus seinem Leben zu erzählen. Wie er gelandet ist, wo er jetzt ist, was er so erlebt hat. Ich kam gar nicht zu Wort und nach 30-45 Minuten musste ich ihn abwürgen, weil ich rechtzeitig im Hotel sein musste, um auszuchecken. Schließlich habe ich ihm etwas Geld in die Hand gedrückt, um Essen zu gehen und mich verabschiedet. „Ja, ist ok. Vielen Dank. Es war so schön, sich mit dir zu unterhalten!“, war seine Antwort.

Auf dem Rückweg zum Hotel fing ich an, mich über mich selbst zu ärgern. Ich habe diesem Mann nicht von Jesus erzählt und auch nicht für ihn gebetet. Er hat mich gefragt, ob ich gläubig bin, aber weil ich fast nicht zu Wort kam, kann ich nicht sagen, ob er Christ ist, oder nicht. Dabei habe ich doch im Gespräch immer wieder Gott gefragt, was ich sagen soll!

Aber bevor ich mich richtig auf die Abwärtsspirale begeben konnte, war da wieder der Heilige Geist und ich bin davon überzeugt, dass er es war, der mir gesagt hat: „Es ist okay! Du weißt nicht, was dieser Mann braucht. Du bist es auch nicht, die irgendetwas bewirkt – ich bin es!“ Dieser Gedanke war so ermutigend und entlastend. Wir müssen diese „heiligen Gespräche“ nicht erzwingen.

Lasst uns aufhören, Menschen als Punkte unserer Check-Liste zu sehen, denen wir auf Teufel komm raus vom Evangelium erzählen müssen. Lasst uns sie als die sehen, die sie sind: Menschen, die von Gott geliebt sind. Lasst uns sie mit der gleichen Liebe lieben, wie Jesus es tut, anstatt an ihnen lieblos unsere Agenda abzuarbeiten. Manchmal sagt eine liebevolle Tat mehr als eine Predigt, die zur falschen Zeit kommt.

Ein Gesetzeslehrer wollte Jesus auf die Probe stellen. »Meister«, fragte er, »was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?« Jesus entgegnete: »Was steht im Gesetz? Was liest du dort?« Er antwortete: »›Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe, mit aller deiner Kraft und mit deinem ganzen Verstand!‹ Und: ›Du sollst deine Mitmenschen lieben wie dich selbst!‹« ~Lukas 10,25-27

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2 Kommentare zu „Der Unterschied zwischen predigen und lieben

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