Beten oder nicht beten – das ist die Frage {Disziplin}

Religiosität. In manchen christlichen Kreisen kommt dieses Wort schon fast einem Schimpfwort gleich. Wir haben eine Beziehung mit Gott, keine Religion! Wir sind frei, keinen Regeln unterworfen! Im Grunde ist das richtig, aber kann es sein, dass wir es mit unserer Freiheit inzwischen etwas zu weit treiben?

‚Heute ist mir nicht nach beten, deswegen mache ich es auch nicht.‘ ‚Ich habe grade wirklich keine Lust, Bibel zu lesen und ich möchte es nicht nur aus Pflicht tun.‘ ‚Grade habe ich wirklich keinen Nerv für Stille Zeit übrig und wenn ich es jetzt trotzdem mache, ist es nicht aufrichtig.‘

Vielleicht kommt dir einer dieser Sätze so, oder in einer anderen Variation bekannt vor. Ich habe schon einige Menschen so etwas sagen gehört und ich habe sie so oder ähnlich auch selbst ausgesprochen. Wir möchten Gott aufrichtig begegnen. Wir haben verstanden, dass wir uns Gnade nicht verdienen können und deswegen sehen wir keinen Grund, uns Gott zuzuwenden, wenn wir gerade keine Lust haben. „Das wäre Religiosität!“

Aber ist es das wirklich?

Ihr wisst doch, wie es ist, wenn in einem Stadion ein Wettlauf stattfindet: Viele nehmen daran teil, aber nur einer bekommt den Siegespreis. ´Macht es wie der siegreiche Athlet:` Lauft so, dass ihr den Preis bekommt! Jeder, der an einem Wettkampf teilnehmen will, unterwirft sich einer strengen Disziplin. Die Athleten tun es für einen Siegeskranz, der bald wieder verwelkt. Unser Siegeskranz hingegen ist unvergänglich. Für mich gibt es daher nur eins: Ich laufe wie ein Läufer, der das Ziel nicht aus den Augen verliert, und kämpfe wie ein Boxer, dessen Schläge nicht ins Leere gehen. Ich führe einen harten Kampf gegen mich selbst, als wäre mein Körper ein Sklave, dem ich meinen Willen aufzwinge. Denn ich möchte nicht anderen predigen und dann als einer dastehen, der sich selbst nicht an das hält, was er sagt.  ~1.Korinther 9,24-27

Paulus beschreibt unser Leben als Christen mit einem Wettlauf. Auch ohne mich jemals auf irgendwelche Wettläufe vorbereitet zu haben, weiß ich, dass man dafür trainieren muss – auch, wenn man mal keine Lust hat. Ein Läufer, der nur dann trainiert, wenn er grade Lust darauf hat, wird es nicht weit bringen. Ohne sich selbst zu überwinden, ohne Disziplin, wird man nur sehr langsam Fortschritte machen.

Paulus sagt, wir sollen unser Ziel nicht aus den Augen verlieren. Er führt einen Kampf gegen sich selbst. Er unterwirft sich selbst einer strengen Disziplin. Man kann hier sagen was man will, aber das klingt für mich nicht nach „Ich mache das, wozu ich Lust habe“. Wenn wir den guten Kampf kämpfen wollen, müssen wir den Kampf mit uns selbst aufnehmen, mit unserer Unlust, unserer Bequemlichkeit, unserem Fleisch.

Vielleicht schreit grade alles in dir: „Aber ich muss mir nichts verdienen! Jesus hat für mich bezahlt, er liebt mich so, wie ich bin!“ Das ist wahr. Aber was wäre, wenn wir anfangen würden, von uns weg zu schauen, und hin zu Gott? Wenn wir die Bibel lesen, geht es nicht um unsere Gerechtigkeit, sondern darum, Gott besser kennenzulernen. Wenn wir beten, geht es nicht darum, uns Bonuspunkte zu verdienen, oder unsere Anliegen an den Mann zu bringen, sondern darum, uns wieder auf Gott auszurichten. Wenn wir Stille Zeit machen, geht es nicht darum, unsere christlichen Pflichten zu erfüllen, sondern darum dem einzig wahren Gott zu begegnen.

Wir können uns mit Disziplin nichts verdienen. Wir können Gott durch unsere Disziplin nicht beeindrucken, oder dazu zwingen, bestimmte Dinge für uns zu tun. Aber wir können Ihn, dem alle Ehre gebührt, dadurch ehren, dass wir ihn über uns stellen. Was, wenn wir Zeit mit Jesus verbringen würden, weil wir ihn lieben, nicht, weil es eine Pflicht ist?

Wenn ein Mann seiner Ehefrau nur dann Zuneigung gegenüber ausdrückt, wenn ihm gerade danach ist, kann die Beziehung funktionieren. Sie wäre aber um einiges besser, wenn er es auch dann täte, wenn ihm gerade nicht danach ist. Aus Liebe.

Lasst uns diszipliniert an diesem Wettlauf teilnehmen. Letztendlich sind die disziplinierten Läufer meist die erfolgreicheren. Lasst uns täglich unsere Stille Zeit machen, nicht weil wir es müssen, sondern weil wir Gott lieben. Weil er es verdient, dass wir uns ihm zuwenden. Und, weil es am Ende uns gut tut, mit ihm Zeit zu verbringen.

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2 Kommentare zu „Beten oder nicht beten – das ist die Frage {Disziplin}

  1. Da hast du vollkommen recht 😊 konstant an etwas dran zu bleiben, heißt nicht direkt, gesetzlich zu sein. Ich habe mir zum Beispiel angewöhnt, immer zur selben Zeit stille Zeit zu machen, auch wenn ich vielleicht mal keine Lust habe. Aber gerade an den Tagen, werde ich manchmal ganz überraschend durch die Zeit gesegnet 😊 liebe Grüße!

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