Großzügig segnen {Fürbitte}

Fürbitte. Irgendwie wissen wir, dass das ein Teil unseres christlichen Glaubens ist, aber ehrlich gesagt habe ich erst wenige Menschen getroffen, die sagen: „Yay, lasst uns für andere beten! Regelmäßig, am besten ständig!“  Wie oft fällt es uns schon schwer, überhaupt zu beten, uns überhaupt Gottes Gegenwart auszusetzen? Wenn wir dann noch für andere beten sollen, kommt uns das oft wie eine lästige Pflicht vor. Ich glaube, das hängt vor allem damit zusammen, dass uns die Wirkung von Gebet nicht bewusst ist. Wir unterschätzen es.

In der Bibel wussten (manche) Menschen noch, wie kraftvoll Gebet ist. 1.Mose 27 erzählt die Geschichte, wie Jakob seinen Bruder Esau um den Segen betrogen hat, der normalerweise dem Erstgeborenen zusteht. Stell dir vor, ihr habt einen Gast bei euch. Du und deine Familie, oder du und deine Mitbewohner sitzen mit ihm am Tisch und er sagt: „Ich möchte jemanden segnen, aber nur eine einzige Person kann den Segen bekommen.“ Würdest du dir überhaupt die Mühe machen, diesen Segen zu bekommen? Oder wäre es dir das nicht wert, deswegen einen Streit vom Zaun zu brechen?

Jakob und seine Mutter Rebekka legen sich ordentlich ins Zeug, damit Jakob diesen Segen abkriegt. Und Esau? Der reagiert ziemlich heftig, als er erfährt, dass für ihn kein Segen mehr übrig ist:

 Als Esau das hörte, schrie er laut und verbittert auf. »O mein Vater, segne auch mich«, bat er. Doch Isaak sagte: »Dein Bruder war hier und hat mich getäuscht. Er hat deinen Segen bekommen.« Esau sagte: »Kein Wunder, dass er Jakob heißt, denn er hat mich zweimal getäuscht. Zuerst nahm er mir mein Erstgeburtsrecht und nun hat er mich auch noch um meinen Segen gebracht. Hast du denn nicht noch einen Segen für mich?« Isaak antwortete: »Ich habe Jakob zum Herrscher über dich gemacht. Alle seine Brüder sollen seine Diener sein. Ich habe ihm reiche Getreide- und Weinernten zugesagt. Was kann ich dir da noch geben, mein Sohn?« Esau fragte noch einmal: »Hast du wirklich nur einen einzigen Segen? Mein Vater, segne doch auch mich!« Und er begann laut zu weinen. Da sagte sein Vater Isaak zu ihm: »Dort, wo du wohnst, wird das Land nicht fruchtbar sein, kein Regen fällt darauf. Mithilfe deines Schwertes musst du dich ernähren. Und deinem Bruder wirst du dienen, doch dann wirst du seine Herrschaft abschütteln und frei sein.« ~1.Mose 27,34-40

Dass ein Vater einen Sohn über den anderen setzt, möchte ich an dieser Stelle einfach mal so stehen lassen. Viel interessanter finde ich an dieser Stelle, Esaus Reaktion. Ein gestandener Mann fängt laut an zu weinen, weil sein Vater ein segnendes Gebet für seinen Bruder gesprochen hat und nicht für ihn. Reagiert Esau da nicht vollkommen über? Ist das wirklich so dramatisch?

Ich glaube, im Gegensatz zu uns, war Esau noch bewusst, welch eine Kraft im Segen Gottes liegt.

Wir wollen Veränderung sehen. Wir wollen etwas tun, um Gottes Reich zu bauen. Aber beten wir auch dafür, dass sich etwas ändert? Oder beten wir nur dafür, dass Gott uns hilft, gute Dinge zu tun?

Als Isaak seinen Sohn segnet, sagt er nicht: „Bitte hilf meinem Sohn sein Land gut zu bebauen. Hilf ihm, sich die Völker Untertan zu machen. Bitte schenke ihm Schwiegertöchter, die ihn respektieren.“ Nein, Isaak spricht mit einer viel größeren Autorität:

 Gott gebe dir Regen im Überfluss. Er mache dein Land fruchtbar und gebe dir Korn und Most die Fülle. Völker sollen dir dienen und Nationen sollen dich verehren. Du sollst über deine Brüder herrschen. Deiner Mutter Söhne sollen sich respektvoll vor dir verneigen. Wer dich verflucht, soll verflucht sein. Wer dich aber segnet, der soll gesegnet sein. ~1.Mose 27,28-29

Mit der gleichen Autorität, mit der Isaak hier seinen Sohn segnet, können auch wir, als Kinder Gottes, Segen aussprechen.

Ich gewöhne mir gerade an, morgens vor der Schule jeden einzelnen meiner Schüler zu segnen. Ich kann noch so eine gute Lehrerin sein, aber an den Segen Gottes kann ich bei bestem Willen nicht heranreichen. Nur er ist in der Lage Frieden in ihren Familien zu stiften. Er kann ihnen Menschen zur Seite stellen, die ihre Gaben erkennen und fördern. Er kann ihnen Vorbilder schenken, die ihr Leben positiv prägen.

Und auf einmal macht mir Fürbitte Spaß. Auf einmal sind das keine pflichtbewusst gebrabbelten Gebete mehr, sondern Worte die Kraft haben und Leben schenken und verändern können!

Ich möchte dich diese Woche zu einem Experiment herausfordern. Suche dir eine Person aus, deinen unausstehlichen Dozenten, deine kleine Schwester, dein Patenkind, dein Opa, deinen Kollegen, irgendwen; und bete einen Monat lang täglich für diese Person. Es muss nicht jedes Mal 15 Minuten lang sein, aber es sollte aufrichtig sein, mehr als nur „Bitte segne diese Person, Amen.“ Wenn du nicht weißt, wofür du beten sollst, bitte Gott, dass er dir zeigt, was wichtig ist und ansonsten lass deiner Fantasie freien Lauf. Was ist das Beste, was dieser Person passieren kann? Wenn alles möglich wäre, was würdest du dieser Person wünschen? Bete Gottes Liebe und Gnade über dem Leben dieser Person aus, und dabei ist es unwichtig, ob dieser Mensch Gott schon kennt oder nicht. Bete und beobachte, was passiert. Ich bin überzeugt davon, dass unsere Segensgebete Wirkung haben. Vielleicht sehen wir davon nicht direkt etwas, aber ich weiß, dass sie nicht ungehört bleiben werden.

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4 Kommentare zu „Großzügig segnen {Fürbitte}

  1. Ein richtig guter Beitrag, Danke dafür 😊 die Idee mit dem täglichen beten für eine Person ist sehr gut!

    Ich habe mir mittlerweile auch angewöhnt, die Kinder meiner Gruppe zu segnen; ich mache das nicht täglich, aber immer mal wieder. Und ich glaube, das ändert auch meine eigene Einstellung, gerade den „schwierigen“ gegenüber 😊

    1. Da hast du Recht! Für die „schwierigen“ Kinder bete ich wahrscheinlich am meisten… Aber es ändert tatsächlich etwas. Ich glaube in der Bibel steht nicht ohne Grund „Bete für deine Feinde“…

  2. Und genau darin liegt meine Spannung: Ich wünsche mir von vielen Dingen sofort erkennbare Resultate und es fällt mir schwer durchzuhalten, wenn ich nicht weiß, was dabei heraus kommt. Danke für deinen Artikel. Ich werde es mir neu zu Herzen nehmen für andere zu beten. Liebe Grüße Lissy

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