Mein Problem mit Gnade

Ich bin ein Kind meiner Zeit. Ein Macher. Produktiv. Busy. Ich lasse mir wenig schenken. Was ich habe, will ich mir verdienen. Man soll mir nicht nachsagen können, ich sei faul. Stattdessen sonne ich mich in der Bewunderung anderer darüber, was ich alles erreiche, schaffe, kann.

Ich bin ein Kind meiner Zeit. Ich bin ein Macher. Ich möchte gerne selbst Dinge erledigen. Mir etwas verdienen.

Und genau da liegt mein Problem: So sehr ich es auch versuche, ich kann mir Gottes Gnade nicht verdienen. Es gibt rein gar nichts, was ich zu meiner Rettung beitragen könnte. Jesus hat die Rechnung bezahlt. Vollkommen. Da ist nichts, was ich noch tun könnte. Nichts, was ich noch dazu beitragen könnte.

Wenn ich ehrlich bin, mag ich diese Tatsache nicht besonders. Es kommt mir unfair vor. Extrem unfair! Ich habe Mist gebaut und jemand anderes musste dafür hinhalten. Jeder, der nur etwas Skrupel hat, regt sich bei Filmen über genau diese Leute auf! Leute, die andere für sich zahlen lassen. Noch mehr, wenn diese Menschen das vollkommen ohne schlechtes Gewissen tun.

Und dann habe ich ein schlechtes Gewissen. Gar nicht so sehr, weil ich gerade so ein gottesfernes Leben führe, sondern weil, egal, wie sehr ich mich anstrenge, mein Leben nie Gottes Maßstab genügen wird.

Wie oft denken wir, ‚Jetzt bin ich gerettet, die Schuld meiner Vergangenheit ist bezahlt. Von hier an schaffe ich es alleine.‘ Nur bis wir wieder abdriften und merken, dass wir es nicht schaffen.

Unter dem Deckmantel der Heiligung versucht ein Teil von mir immer wieder Jesu Tod für mich zu rechtfertigen. Ich will es wert gewesen sein. Ich will ihn stolz machen. Ich will es wiedergut machen. Ich will etwas zurückzahlen von der unbezahlbaren Schuld, die er für mich beglichen hat.

Ich weiß nicht, ob irgendwelche dieser Gedanken dir bekannt vorkommen und was sie mit dir machen. Mich setzen sie enorm unter Druck. Sie rauben mir die Freude und die Hoffnung. Sie führen zu Frustration und Selbstanklagen. Aber ist es das, was Gottes Gnade in uns auslösen soll? Sieht so eine leichte Last aus?

Ich bin ein Kind meiner Zeit und deswegen brauche ich Beispiele meiner Zeit. Judah Smith beschreibt in seinem Buch „Jesus ist ______.“ Folgende Situation:

Man stelle sich vor, man gehe mit Freunden in einem netten Restaurant essen. Als die Rechnung kommt, entscheidet man sich, die Freunde einzuladen und ihnen auf diese Weise etwas Gutes zu tun. Sie lehnen zuerst nur höflich ab, werden aber immer vehementer und weigern sich letztendlich, diese Geste der Wertschätzung  anzunehmen. Sie bestehen darauf, selbst zu bezahlen. Was macht das mit uns?

Ich weiß, wie jedes Beispiel hinkt auch dieses gleich an mehreren Beinen. Dennoch führte es mir noch einmal deutlicher vor Augen, was Paulus auch schon sagte:

Noch einmal: Durch ´Gottes` Gnade seid ihr gerettet, und zwar aufgrund des Glaubens. Ihr verdankt eure Rettung also nicht euch selbst; nein, sie ist Gottes Geschenk. ~Eph 2,8 (Hervorhebung d. d. Autor)

Gnade ist Gottes freiwilliges Geschenk an uns. Per definitionem ist ein Geschenk eine freiwillige Gabe an einen Anderen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Der Schenkende will dem Beschenkten uneigennützig Freude bereiten. Alles andere, also unsere müden Versuche, dieses Geschenk zu rechtfertigen oder zurückzuzahlen, widersprechen also dem ureigenen Charakter eines Geschenks.

Gott hat dich begnadigt. Freiwillig, aus Liebe zu dir. Er hat dir Freiheit geschenkt. Friede. Hoffnung. Lass dir das nicht durch falschen Druck kaputt machen.

Aus diesem Grund habe ich beschlossen ab jetzt Gnade zu feiern. Ich entscheide mich dazu, dieses Geschenk der Gnade von ganzem Herzen anzunehmen – ich kann sowieso nichts daran ändern, außer es ablehnen – und mich daran zu freuen. Ich freue mich an dem Wissen, mit Gott versöhnt zu sein. Ich freue mich an der Tatsache, dass Gott mich wahnsinnig liebt und ich daran nichts ändern kann. Ich freue mich, dass ich einen Gott habe, dessen Gnade ich mir nicht erst verdienen muss.

Lasst uns Gnade feiern!

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