Kampf dem Perfektionismus

Es gab Zeiten, da war ich stolz darauf, wenn man mich eine Perfektionistin nannte. Es schmeichelte mir. Das bedeutete, ich machte meine Arbeit gut – bis ins kleinste Detail. Es hob mich ab von den „Durchschnittsmenschen“, wie ich fand. Heute arbeite ich daran, meinen Perfektionismus abzulegen. Oder zumindest, ihn in gesunde Bahnen zu lenken.

Ein Aha-Moment war für mich vor einigen Monaten. Eine meiner Schülerinnen übergab mir einen zusammengefalteten Zettel, den sie mir von einer anderen Schülerin bringen sollte. Als ich das Papier auffaltete, hielt ich ein selbstgemaltes Bild in den Händen. Darauf waren zwei große Blumen, ein Marienkäfer, ein paar Wölkchen und eine Sonne – was achtjährige Mädchen nunmal so malen. Aber etwas an dem Bild berührte mich. Nicht, dass es so ein einfallsreiches Motiv gewesen wäre. Auch nicht die besonders ausgefeilte Technik mit dem Buntstift. Was mich berührte war, dass sie sich die Mühe gemacht hatte ein Bild für mich zu malen. Was sie an Fähigkeiten hatte, investierte sie, um mir eine Freude zu machen. Nach allgemeinen Standards war das Bild nicht perfekt. Aber es kam von Herzen und das machte es perfekt.

In diesem Moment ist mir bewusst geworden, wie oft mich mein Perfektionismus davon abhält zu handeln. Sobald ich eine Idee habe, etwas machen möchte, meldet sich eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf, die jegliche Euphorie im Keim erstickt: „Warum solltest du das machen? Jemand anders kann das viel besser als du.“ Jahrelang hat mich diese Stimme von so vielem abgehalten. Vom Malen. Vom Singen. Vom Gitarre spielen und Lobpreis machen. Vom Predigen. Ich weiß nicht, welche Bereiche das bei dir sind. Vielleicht überschneiden sie sich mit meinen. Vielleicht hält diese Stimme dich auch von anderen Dingen ab; davon eine Kleingruppe zu leiten, davon den Gebetskreis zu starten, von dem du schon lange träumst, davon ein Buch zu schreiben…

Warum geben wir dieser Stimme so viel Autorität? Sie hält uns klein und kann uns daran hindern, Gaben zu entdecken und unser Potential voll auszuschöpfen. Sie hindert uns daran, Gott ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern.

Den Vers: „Du kannst deinen Dienst erst für Gott tun, wenn du der Beste auf deinem Gebiet bist“, wirst du in der Bibel nicht finden – und auch keinen vergleichbaren. Das widerspricht dem Evangelium. Gott hat selten die Profis auf ihrem Gebiet benutzt, sondern die Laien. Er fordert keine perfekte Ausführung, sondern eine Herzenshaltung, die ihn dabei ehrt.

 Und alles, was ihr tut, das tut von Herzen, als für den Herrn und nicht für Menschen. ~Kolosser 3,23

Ich weiß, dass es bei diesem Vers darum geht, wie wir unsere Arbeit machen, aber ich sehe darin ein Grundprinzip. Gott sagt nicht, „Und alles, was ihr tut, das tut ohne Fehler oder Makel.“ Die Begründung liegt darin, dass wir es für den Herrn tun und nicht für den Menschen.

Ich habe festgestellt, dass mein Perfektionismus mir Anerkennung eingebracht hat. Er hat mich abgehoben. Er hat mich und meine Fähigkeiten in den Mittelpunkt gerückt. Aber ich gehöre nicht in den Mittelpunkt. Gott gehört in den Mittelpunkt. Und deswegen muss ich die Dinge nicht perfekt machen, sondern von Herzen, mit ganzer Hingabe. Für Gott. Nicht für Menschen.

Das klingt vielleicht zuerst, als ginge uns damit die gute deutsche Qualität flöten, aber so ist es nicht. Wenn ich etwas von ganzem Herzen mache, mit Hingabe, dann mache ich es so gut, wie ich kann. Aber ich darf meine Grenzen akzeptieren und muss mich nicht von perfekten Maßstäben knechten lassen.

Wenn ich malen möchte, darf ich malen, weil es Gott nicht wichtig ist, ob das Ergebnis perfekt ist. Wenn du eine Kleingruppe starten möchtest, darfst du das, wenn dein Herz daran hängt und du es von Herzen tust.

Unser Perfektionismus hat schon zu viele Schlachten gewonnen. Was immer dich gerade reizt, was dein Herz höher schlagen lässt – Go for it! Probier es aus und vielleicht entdeckst du ein neues Talent. Und wenn nicht, glaube ich, dass Gott sich dennoch darüber freut – wenn du es für ihn tust.

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Ein Kommentar zu „Kampf dem Perfektionismus

  1. Oh ja, die Angst vorm Scheitern oder sich lächerlich machen ist sehr real. Auch so dämliche Gedanken wie „Irgendjemand anders kann das eh besser!“ oder „Was hast du schon zu sagen?“ kenne ich. Täglich. Aber da sind wir wohl in guter Gesellschaft 😉 Ich kenn da so den ein oder anderen Helden aus der Bibel, der Gott ausgelacht, Widerworte gegeben oder sich rausreden wollte… Und Gott sagt die ganze Zeit: „Mensch, du musst doch gar nichts tun, außer das was ich sage, für die Wunder sorge ich, keine Bange…“ Aber die Überwindung ist trotzdem immer riesengroß und doch so aufregend. *freu* Deshalb definitiv: Go for it!

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