Wasserläufer

Wie oft hören wir von Menschen, die einen Missionseinsatz gemacht haben, von dieser Zeit wahnsinnig begeistert erzählen? Sie schwärmen davon, wie nah sie Gott in dieser Zeit waren, wie sie immer wieder sein Eingreifen erlebt haben und wie viel Segen sie erhalten haben, indem sie andere gesegnet haben. Und meistens sagen sie an irgendeinem Punkt auf die ein oder andere Weise: „Dort habe ich Gott irgendwie mehr erlebt und war ihm viel näher als hier…“ Als mein Einsatz bei YWAM sich dem Ende neigte, wurde in mir ein Gedanke immer stärker: ‚Ich will nicht, dass hiernach alles wieder vorbei ist. Ich möchte nicht nach Hause kommen und es ist, als wäre ich nie weggewesen, als wären diese drei Monate nie passiert. Ich möchte weiter auf dieser Welle reiten und nicht wieder einfach nur vor mich hin paddeln.

Warum ist das so? Warum erleben so viele von uns ein solches Tief, nachdem sie von einem Missionseinsatz wieder nach Hause kommen? Die Antwort darauf ist recht offensichtlich. Für die meisten von uns stellt ein solcher Einsatz eine Herausforderung dar. Wir müssen uns auf Neues einstellen: neue Menschen, fremde Kultur, herausfordernde Aufgabe weniger Annehmlichkeiten. Es ist ein Sprung aus unserer Komfortzone ins Ungewisse, ein Schritt aus dem Boot heraus auf das Wasser. Und wow, ist das genial, hier auf dem Wasser! Die Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten, sind selbst Wasserläufer. Oft hängt ihr Lebensunterhalt davon ab, dass Gott sie versorgt und die Aufgabe, der sie sich widmen, stellt sie vor Herausforderungen, die nur Gott überwinden kann. Und wir dürfen teilhaben am Wasserläuferleben, dürfen selbst erfahren, dass das Wasser trägt und Gott zu unglaublich mehr fähig und bereit ist, als wir je gedacht hätten.

Und dann kommen wir wieder nach Hause, steigen zurück ins Boot und machen weiter mit unserem normalen Leben. Und es ist, als wären wir nie weggewesen, als hätten wir das alles nicht erlebt.

Damit sind wir nicht alleine. Dieses Problem ist bald so alt, wie die Menschheit selbst. Im Alten Testament versucht Gott sein Volk auf diesen „Komfortschock“ vorzubereiten, bevor er es ins gelobte Land führt:

Es ist ein Land, in dem ihr euch satt essen könnt und es euch an nichts fehlen wird. Ein Land, in dem die Steine Eisen enthalten und aus dessen Bergen du Kupfer abbauen kannst. Wenn ihr dann gegessen habt und satt seid, sollt ihr den Herrn, euren Gott, für das gute Land, das er euch gegeben hat, loben. Passt aber auf, dass ihr den Herrn, euren Gott nicht vergesst und dann seine Gebote, Vorschriften und Gesetze, die ich euch heute gebe, nicht mehr befolgt. Wenn ihr genug zu essen habt und euch prächtige Häuser baut und darin wohnt, und wenn eure Schaf-, Ziegen- und Rinderherden groß werden und ihr viel Gold, Silber und vieles andere besitzt, dann werdet nicht überheblich und vergesst nicht den Herrn, euren Gott, der euch aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat. ~5.Mose 8,9-14

Das fünfte Buch Mose ist voll von solchen Warnungen. „Pass auf, dass du Gott nicht vergisst, wenn du wieder im Überfluss und sicherem Umfeld lebst!“ Für Israel bedeutete der Einzug ins gelobte Land genau das. Das Nomadenvolk, das von Gott abhängig war, wenn es um Versorgung oder Richtungsweisung ging, war in Begriff in ein befestigtes Land zu ziehen. Aus dem Ungewissen in die Sicherheit. Vom Wasser ins Boot.

Während meines Einsatzes in Hawaii ist mir folgender Vers wichtig geworden:

 Ich freue mich sehr und danke Gott, dass ihr euch wieder um mich sorgt! Ich weiß, dass ihr immer um mich besorgt wart, aber eine Zeit lang hattet ihr keine Gelegenheit, mir zu helfen. Nicht, dass ich etwas gebraucht hätte! Ich habe gelernt, mit dem zufrieden zu sein, was ich habe. Ob ich nun wenig oder viel habe, ich habe gelernt, mit jeder Situation fertig zu werden: Ich kann einen vollen oder einen leeren Magen haben, Überfluss erleben oder Mangel leiden. Denn alles ist mir möglich durch Christus, der mir die Kraft gibt, die ich brauche. ~ Philipper 4,10-13

Früher fiel mir bei diesem Vers immer der Mangel ins Auge, mit dem Paulus umgehen kann, aber inzwischen ist das anders. Heute fällt mir auf, dass Paulus nicht nur im Mangel und außerhalb seiner Komfortzone ein Wasserläuferleben leben kann, sondern auch dann, wenn er Überfluss hat, wenn er satt ist und alles hat, was er braucht. Er war ein Wasserläufer, egal, wie seine Umstände gerade aussahen.

Das ist es, was ich mir für mein Leben wünsche. Wasserläufer sein.

Um das umzusetzen, glaube ich, brauchen wir zuallererst mehr von Jesus. „Denn alles ist mir möglich durch Christus […].“ Ohne ihn geht es nicht. Ich möchte mehr Zeit in seiner Gegenwart verbringen, damit er mir zeigt, warum ich hier bin und damit er mir hilft, die Menschen, denen ich begegne mehr zu lieben. Damit er mir zeigt, wo ich in meinem Alltag wieder aus dem Boot aussteigen kann, um ihm auf dem Wasser zu begegnen.

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