Ich glaube, wir sind uns ganz schön ähnlich

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Nach einer Woche, die einer emotionalen Achterbahnfahrt gleich kam, fand ich mich gestern Abend ganz spontan mit einer Freundin bei McDonalds wieder. Nicht wahnsinnig klassisch, aber es kommt sowieso mehr auf das „mit wem“ an, als auf das „wo“. Während wir unsere Pommes vor uns hin mümmelten, sprachen wir über die Dinge, die uns in letzter Zeit so beschäftigten, die Höhen und vor allem auch die Tiefen in denen wir uns manchmal ziemlich allein fühlen.

Während ich ihr erzählte, was mich in letzter Zeit oft herausfordert und frustriert, schaute sie mich plötzlich an und meinte: „Ich glaube, wir sind uns ganz schön ähnlich!“ Ein kleiner Satz, auf den ersten Blick nicht wahnsinnig besonders oder überragend, aber in diesem Moment machte er mir genau eins bewusst: Ich bin nicht allein.

Wie oft stecken wir bis zum Hals in unseren Kämpfen fest, wir haben das Gefühl nicht vorwärts uns nicht rückwärts zu kommen. Wir fühlen uns alleine, hilflos und das Schlimmste: unverstanden. Unverstanden von Menschen, gefühlt ignoriert von Gott – das ist eine ungünstige Kombination. Standen wir gerade noch halbwegs sicher am Abgrund ist das der Moment, wo unsere Füße den Halt verlieren und wir in einem Tief par excellence landen, aus dem es umso schwerer ist, wieder herauszukommen.

Aber wieso kommt das immer wieder so, wenn es sich so leicht vermeiden ließe?

Wenn ich mein Leben anschaue stelle ich fest, dass es Zeiten gibt, in denen ich ständig mit Leuten unterwegs sein will und Zeiten, in denen ich Menschen aussperre und vermeide, in denen ich Termine absage oder gar nicht erst welche mache. Diese Zeiten der Isolation fallen „zufällig“ auch immer auf die Zeiten, in denen es mir emotional gar nicht gut geht. Es sind die Zeiten, in denen ich mit Gott und mir selbst Kämpfe, um Antworten ringe und mich nur um mich drehe auf der Suche nach einem Ausweg.

Warum ich mich in diesen Phasen abkapsel? Weil es doch sowieso keiner versteht! Was bringt es, darüber zu reden? Die anderen wissen nicht, was in mir vorgeht. Die sind nicht durch die Situationen gegangen, die mich an diesen Punkt gebracht haben. Sie können nicht nachvollziehen, was los ist – ich kann ja selbst kaum meine Gedanken ordnen. Nur Gott kann mir hier eine Antwort geben und der macht das irgendwie nicht…

Und so geht es den Abhang runter. Wir merken, dass wir rutschen, aber finden keinen Halt. Lügen schleichen sich in unsere Gedanken, aber wir haben keine Kraft gegen sie anzukämpfen. Wir haben ja auch nichts gegen sie in der Hand.

  • Gott interessiert sich sowieso nicht für dich.
  • Du bist nicht gut genug.
  • Du liebst Gott gar nicht richtig.
  • Deine Motive sind rottig – allesamt.
  • Du kannst dieser Welt nichts geben – du hast ja selbst nichts!

Wenn wir den Abhang erstmal ganz hinuntergerutscht sind, kostet es Zeit und Kraft, um uns wieder auf den Weg nach oben zu machen und auch dieser Weg ist steinig.

Wenn du mir ein bisschen ähnlich bist, kennst du dieses Auf und Ab. Manchmal haben wir das Gefühl, je höher wir steigen, desto tiefer fallen wir das nächste Mal. Wie oft hält uns genau dieser Gedanke zurück, noch höher zu steigen?

Aber ich glaube, Gott hat eine Lösung. Im Buch Prediger beklagt Salomo diese Welt mit all ihrem Leid und ihrer Sinnlosigkeit. Aber zwischen diesen Trümmern findet er Kleinigkeiten, die dieses Dasein erträglicher machen können:

Zwei haben es besser als einer allein: Zusammen erhalten sie mehr Lohn für ihre Mühe. Wenn sie hinfallen, kann einer dem anderen aufhelfen. Doch wie schlecht ist der dran, der allein ist und fällt, und keiner ist da, der ihm beim Aufstehen hilft!

Es können sich zwei, die in einer kalten Nacht unter einer Decke liegen, aneinander wärmen. Doch wie kann einer, der alleine liegt, warm werden? Ein Einzelner kann leicht von hinten angegriffen und niedergeschlagen werden; zwei, die zusammenhalten, wehren den Überfall ab. Und: Ein dreifaches Seil kann man kaum zerreißen.
~Prediger 4,9-12
Dieser Vers wird zwar auch gerne als Trauvers genommen, aber ich glaube an dieser Stelle geht es gar nicht darum eine bestimmte Person zu finden, die uns wieder aufhebt, sondern um die Kraft der Gemeinschaft generell. Gott hat uns nicht geschaffen dieses Leben im Alleingang zu drehen – auch nicht im Alleingang mit ihm. Er ist der Gründer von Gemeinschaft, von Gemeinde.
Warum meinen wir so oft, wie bräuchten die Hilfe anderer nicht? Warum lassen wir uns so oft von unserem Stolz abhalten in unseren Kämpfen um Hilfe zu bitten? Warum geben wir uns mit der Vermutung zufrieden, andere könnten nicht verstehen, was uns gerade das Leben schwer macht.
Ich glaube wir wären überrascht, wie viel andere doch verstehen können; dass unsere Erfahrungen gar nicht so off-limit sind. Wie ähnlich wir uns doch sind.
Und selbst wenn die andere Person nicht alles nachvollziehen kann, so kann sie doch Wahrheiten in die Situation hineinsprechen, die wir gerade selbst nicht hochhalten können. Sie können die Gebete für uns sprechen, zu denen uns selbst die Worte fehlen.
Lasst uns mutig unsere Kämpfe teilen. Wenn du das Gefühl hast, du drehst dich mit Gott im Kreis und steckst fest, lass deine Mauern runter und ziehe jemanden ins Vertrauen. Lass dich unterstützen. Lass zu, dass jemand dir den Rücken freihält und dich stärkt.
Wir sind nicht zum Alleingang geschaffen.
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7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Christoph Herrmann sagt:

    Hi Maike, Ich finde es immer wieder toll wie du Dinge offen ansprichst die aus deinem Leben sind und uns Leser daran teilnehmen lässt. Danke LD Papa

    Von meinem iPad gesendet

    >

  2. Christel sagt:

    Ein sehr wichtiges Thema, und ein sehr wichtiger Text dazu. Mir selbst zeigt Gott aktuell in einer sehr schwierigen Situation, wie wichtig es ist, andere um Gebet zu bitten. Auch wenn ich sonst lieber einen auf Einzelkämpferin gemacht habe… Es kostet eine Menge Überwindung, auch den „Stolz“ loszulassen, keine Hilfe von anderen zu brauchen. Aber ich denke, allein gehen wir sonst unter. Das wäre zumindest bei mir und in dieser Situation so gewesen, da bin ich mir sicher.

    1. Hallo Christel,
      danke für deinen Kommentar. Ich glaube Stolz ist tatsächlich unser größtes Hindernis, aber wir können immer wieder lernen ihn abzulegen und Menschen in unser Leben zu lassen. Schön, dass du jemanden hast, auf den du dich stützen kannst.
      Liebe Grüße

  3. petrafaithful sagt:

    Wirklich ein schöner Satz, und mit Menschen die gleich oder zumindest ähnlichen ticken wie wir kann man sich wunderbar austauschen. Aber diese(n)r Mensch musst erst einmal finden. Er muss ja nicht der selben Meinung sein, aber zumindest dich verstehen wollen. Und ich glaube dies ist das eigentliche Problem: nicht das nicht können sondern das nicht wollen.
    Jahrelang hab ich gedacht da gibt es eine meine beste Freundin und wir seien uns ganz schön ähnlich. Aber nur unser bisheriges Leben ist gleich verlaufen und nun das sich mein Leben anderes weiter entwickelt wie meines hat sie sich verändert und abgewandt.
    Aus Fehlern lernt man halt ….und Gott ist zum Glück immer da und manchmal schickt er einen „Engel“ der einem hilft in schwierigen Situation 🙂
    LG und einen sonnigen Wochenstart
    Petra

    1. Hallo Petra,
      es tut mir Leid, dass du das so erlebt hast. Ich wünsche dir, dass Gott dir trotzdem immer wieder Menschen schenkt, denen du dich anvertrauen kannst und die dir wieder auf die Beine helfen!
      Liebe Grüße

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